Die Frage nach einem spezifischen „Bluthochdruck-Wetter“ wird gerne von Patienten und Patientinnen mit gestellt, die eine Verschlechterung ihrer Symptome mit bestimmten Wetterlagen in Verbindung bringen. Aus Sicht der Human-Biometeorologie lässt sich diese Frage aber nicht monokausal beantworten, sondern nur im komplexen Zusammenhang.
Kathrin Graw vom Deutschen Wetterdienst (Freiburg) erklärte, dass atmosphärische Einflüsse kontinuierlich auf den Menschen einwirken und permanente Anpassungsleistungen erfordern. Diese erfolgen meist unbewusst über das vegetative Nervensystem und das endokrine System mit dem Ziel, physiologische Regelgrößen – etwa den Blutdruck – im homöostatischen Bereich zu halten. Kommt es zu raschen oder starken Wetteränderungen, kann diese Regulationsfähigkeit eingeschränkt sein, besonders bei Vorerkrankten. Dieses Phänomen wird als Wetterfühligkeit bezeichnet und äußert sich z. B. durch Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufbeschwerden.
Höhere Blutdruckwerte im Winter
Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt eine relativ gute Studienlage vor. Epidemiologische Untersuchungen ergaben konsistent eine Saisonalität des Blutdrucks mit höheren Werten im Winter. Sinkende Lufttemperaturen gehen mit einem Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdrucks einher, was primär auf eine kälteinduzierte Vasokonstriktion zurückgeführt wird. Dadurch erhöhen sich periphere Widerstände sowie das Risiko für thrombotische und ischämische Ereignisse. Umgekehrt führt Hitze über eine Vasodilatation zu Blutdruckabfällen und kann insbesondere bei vulnerablen Personen Kreislaufprobleme begünstigen. Zusätzlich kann hitzebedingte Dehydratation die Blutviskosität erhöhen und damit ebenfalls das Thromboserisiko beeinflussen.
Sogenannte Biowetterklassen, in denen ähnliche meteorologische Veränderungen zusammengefasst werden, bündeln Wetterlagen, in denen signifikant gehäufte kardiovaskuläre Ereignisse identifiziert werden. Hochdrucklagen sind dabei nicht per se als „Bluthochdruck-Wetter“ zu verstehen: Während sie im Sommer mit Hitzebelastung und im Winter mit feuchtkalten Bedingungen ungünstig wirken können, sind sie in Übergangsjahreszeiten häufig mit eher neutralen oder sogar positiven Effekten assoziiert.
Vortrag Kathrin Graw (Freiburg)