Die Erstlinientherapie des HER2-positiven metastasierten Mammakarzinoms befindet sich in einer Phase der Neujustierung.
Über viele Jahre galt das CLEOPATRA-Regime – Taxan plus Trastuzumab/Pertuzumab, gefolgt von dualer HER2-Erhaltung – als klarer Standard. Dieses Konzept bleibt klinisch attraktiv, weil es initial eine hohe Tumorkontrolle ermöglicht und nach Absetzen der Chemotherapie meist gut verträglich fortgeführt werden kann. Dennoch ist die zentrale Limitation unverändert: Die Mehrzahl der Patientinnen progrediert. Neue Daten, die Prof. Dr. med. Peter A. Fasching (Erlangen) vorstellte, erweitern nun die therapeutische Landschaft. In DESTINY-Breast09 verbesserte Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) plus Pertuzumab das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) gegenüber dem bisherigen Standard deutlich: 40,7 vs. 26,9 Monate; auch die objektive Ansprechrate lag höher. Parallel zeigen Erhaltungskonzepte neue Optionen: In PATINA verlängerte die Addition von Palbociclib zur anti-HER2- und endokrinen Erhaltung bei HR+/HER2+-Erkrankung das mediane PFS von 29,1 auf 44,3 Monate. HER2CLIMB-05 belegte für Tucatinib plus Trastuzumab/Pertuzumab ± endokrine Therapie ebenfalls einen PFS-Gewinn, v. a. in Subgruppen.
Die Therapieentscheidung wird damit komplexer. Die Erstlinie wird künftig weniger schematisch, sondern stärker risikoadaptiert gewählt – mit besonderer Differenzierung zwischen de novo metastasierter Situation, Rezidiv nach Vorbehandlung und Eignung für eine langfristige Maintenance-Strategie.
Lunch-Symposium „Mehr als nur Kaplan-Meier-Kurven: Therapieentscheidungen im interaktiven Mamma-Tumorboard“ (Veranstalter: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH)