Funktioneller Testosteronmangel bei Männern äußert sich facettenreich, was über erektile Dysfunktion weit hinausgeht. Besonders gefährdet sind Männer mit Adipositas oder während einer Opioidtherapie. Die Substitution des Hormons kann hier über viele Probleme hinweghelfen.
Testosteron (T) hat im Männerkörper eine Fülle von Aufgaben. Das Hormon selbst oder seine Metaboliten Dihydrotestosteron und Estradiol 2 (E2) wirken nicht nur auf die Sexualfunktionen, sondern u. a. auch auf Knochen, Muskeln, Blutgefäße, Haut und Gehirn. Das erklärt die Vielzahl an Symptomen, die im Zusammenhang mit einem T-Mangel auftreten können. Dazu gehören Erschöpfung, Depression, Anämie, Osteoporose, Muskelabbau und das metabolische Syndrom inklusive erhöhtem kardiovaskulärem (CV) Risiko. Sofern kein organischer Schaden im Bereich der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HHGA) vorliegt, spricht man vom funktionellen T-Mangel, der viele Männer im höheren Alter betrifft, aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten kann, wie Prof. Dr. med. Dr. h.c. Michael Zitzmann (Münster) berichtet hat. Zu den Risikogruppen gehören Männer mit Adipositas [1]. Bei ihnen bewirke das überschüssige Fettgewebe eine hohe periphere Aromatase-Aktivität, wodurch das Testosteron beschleunigt zu E2 umgebaut werde. Dies wiederum bedinge eine metabolische Blockade, die weitere Fettspeicherung nach sich ziehe, sagte Zitzmann. Er bezeichnete dies als „Aromatase-Falle“, die etwa das späte/unzureichende Ansprechen auf eine Adipositastherapie mit Inkretinmimetika erklären könne. In einer aktuellen Pilot-Studie über 6 Monate konnte der Muskelabbau bei einer solchen Therapie durch Zugabe von Testosteronundecanoat 3 × 1 000 mg i. m. (Baseline, Woche 6 und 12) gebremst und die Lipolyse beschleunigt werden, was auch die Blutfette sinken ließ [2].
Eine weitere Risikogruppe seien Patienten mit Opioidtherapie. „Opioide sind potente Schmerzmittel, aber können die HHGA komplett runterfahren“, ergänzte Zitzmann. In einer von ihm zitierten placebokontrollierten Studie mit 84 hypogonadalen Männern (18 bis 64 Jahre) mit Opioidtherapie konnten durch transdermale T-Substitution in Gelform nach 14 Wochen Schmerzempfindung und Körperfett signifikant gesenkt und Schmerzschwelle und Lebensqualität inkl. Sexualfunktion signifikant gesteigert werden [3].
Prof. Dr. med. Claudius Jacobshagen (Karlsruhe) stellte allerdings die Frage: „Müssen wir uns sorgen, dass die T-Therapie das kardiovaskuläre Risiko erhöht?“ Dies wurde in der US-Studie TRAVERSE mit 5 246 adipösen hypogonadalen Männern mit funktionellem T-Mangel geprüft [4]. Alle hatten CV-Erkrankungen oder mindestens 3 CV-Risikofaktoren im Gepäck. Das Ziel war ein physiologischer T-Spiegel von 12-26 nmol/l. Die Studie lief im Schnitt 22, das Follow-up 33 Monate. Der primäre kombinierte Endpunkt aus Tod durch CV-Ereignis, nicht tödlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall war versus Placebo nicht erhöht, wie Jacobshagen darlegte. Basierend darauf habe ein Experten-Treffen der US-Gesundheitsbehörde für die hausärztliche Praxis eine klare Botschaft ausgesandt: Männer mit symptomatischem T-Mangel und T-Therapie haben dadurch kein erhöhtes CV- oder Prostatakarzinom-Risiko.
Symposium „Testosteronmangel beim Mann – welche Rolle spielen Adipositas und Schmerz“ (Veranstalter: Besins Healthcare Germany GmbH)