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Allgemeinmedizin

Immunität im Angebot

Interesse wecken für Reiseimpfungen als Service in der Hausarztpraxis

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter

2.2.2026

Reiseassoziierte Infektionsrisiken variieren abhängig von Reiseziel, Aufenthaltsdauer, Exposition und Gesundheitsstatus der Reisenden. Eine strukturierte reisemedizinische Beratung rechtzeitig vor Antritt einer Reise ermöglicht sinnvollen Impfschutz. Zeigen Sie, was Ihre Praxis diesbezüglich zu bieten hat.

Über 4 Millionen Menschen reisen jährlich in die Tropen bzw. Subtropen. Über ein Drittel dieser Menschen tun dies ohne Reiseberatung und ohne entsprechenden Impfschutz. Damit verbunden steigt natürlich die Gefahr, aus dem Urlaub mit einer Infektionskrankheit zurückzukehren. Die Reise-Impfberatung wie überhaupt die gesamte Reiseberatung spielt eine immer größere Rolle auf dem Gesundheitsmarkt. Da Reiseimpfungen seitens der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht erstattet werden, besteht generell die Möglichkeit, privat zu liquidieren.

Reisemedizin ist präventive Medizin

Reisemedizinische Beratungen einschließlich Impfberatung sind ein wichtiger Bestandteil der präventiven Medizin. Prävention ist ein wachsender Teil des Gesundheitsmarktes und kann von interessierten Ärzten und Ärztinnen optimal genutzt werden. Hierzu ist organisatorisches Denken gefragt, damit die Präventionsmaßnahmen auch von den Betroffenen wahrgenommen werden, denn nicht jeder Reisewillige sucht diesbezüglich die Praxis auf.

Das Interesse der Patientinnen und Patienten bezüglich Reiseberatung und Reiseimpfung ist in erster Linie durch Information in Form von Praxisauslagen, Praxiszeitung oder speziellen Merkblättern zu wecken. Entsprechende Aushänge in den Praxisräumen mit Hinweisen auf die reisemedizinische Tätigkeit und Kompetenz des Praxisinhabers bzw. der Praxisinhaberin sind hier sinnvoll. Auch solche mit Hinweisen auf gesundheitliche Gefahren und Infektionsmöglichkeiten bei Auslandsreisen, den notwendigen Impfschutz sowie die wegen unterschiedlichen Impfabständen notwendige rechtzeitige Vorstellung in der Praxis sollten informativ gestaltet sein und neugierig machen.

Interesse wecken

Organisatorisch an erster Stelle steht somit das Erregen von Aufmerksamkeit und die Information über das entsprechende Angebot der Praxis. Das Praxispersonal sollte hierzu geschult sein und ein offenes Ohr haben, um auf Hinweise der Patientinnen und Patienten auf bevorstehende Auslandsreisen zu achten. Auch das gezielte Nachfragen nach eventuellen Urlaubsplänen ist sinnvoll. Dies lässt sich so vorbereiten, dass Arzt oder Ärztin kaum Zeitaufwand haben. Ist das Interesse der reisewilligen Person geweckt, entsteht automatisch der Wunsch, für den Urlaub (oder auch für eine beruflich notwendige Auslandsreise) über mögliche Risiken aufgeklärt (reisemedizinische Beratung!) und besser geschützt (Reiseimpfung!) zu sein.

Grundlage für die Beratung und Impfung sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie gängige reisemedizinische Leitlinien [1-4].

Vor jeder Impfentscheidung wird zunächst der Impfstatus bezüglich der Standardimpfungen überprüft. Unvollständige Grundimmunisierungen erhöhen die Anfälligkeit gegenüber weltweit vorkommenden Infektionskrankheiten [1,2]. Besonders relevant sind:

  • Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Tdap): Auffrischung alle 10 Jahre; für Pertussis mindestens einmal im Erwachsenenalter [1].
  • Masern-Mumps-Röteln (MMR): Bei unklarem oder unvollständigem Impfstatus zweimalige Immunisierung erforderlich; Masern-Ausbrüche in touristischen Regionen unterstreichen die Bedeutung der Vollimmunisierung [2].
  • Poliomyelitis: In Endemie- oder Ausbruchsgebieten (z. B. Afghanistan, Pakistan) wird eine Auffrischimpfung gefordert; einige Länder verlangen einen entsprechenden Nachweis [3].

Erfolgen diese empfohlenen Routineimpfungen, bietet sich die Frage nach Reiseplänen an.

Fragen nach den „3 Z“

Als Merkhilfe zum Vorgehen dienen die Fragen nach den „3 Z“:

  • Zustand (Impfstatus)
  • Zeit (Reisezeit)
  • Ziel (Reiseziel, Urlaubsland)

Der Impfstatus wird anhand des Impfausweises überprüft. Liegt ein solcher nicht vor und ist keine Schutzimpfung zu erfragen, gilt die Patientin, der Patient als ungeimpft. Es werden der vorgefertigte Impfplan (Abb.) entsprechend der Zeit und dem Ziel der Reise ausgefüllt und die Impfdaten festgelegt.

Bei der ersten Impfung werden Patientin/Patient in das hoffentlich vorhandene Memory-System (Recall-System, s. Beitrag S. 14–15) aufgenommen. So wird rechtzeitig an die notwendigen weiteren Impfungen bzw. an die Impfauffrischung erinnert.

Reisespezifische Impfungen

Hepatitis A
Sie ist eine der häufigsten auf Reisen erworbenen Infektionen. Übertragung fäkal-oral, erhöhte Prävalenz in vielen Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas. Einmalige Impfung führt bei > 95 % zu einer seroprotektiven Antikörperantwort; Langzeitschutz nach zweiter Dosis über mindestens 20 Jahre [1,4].

Hepatitis B
Indiziert bei Langzeitaufenthalten, medizinischen Einsätzen, Sexualkontakten oder Tätowierungen im Ausland. Die Dreifachimpfung erzielt bei gesunden Erwachsenen seroprotektive Raten von > 90 % [4].

Typhus
Relevantes Risiko in Regionen mit unzureichender Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene (Süd- und Südostasien, Afrika). Orale Lebendvakzine oder parenteraler Polysaccharidimpfstoff verfügbar; Schutzwirkung ca. 50–70 % [4].

Gelbfieber
Lebendimpfstoff; für bestimmte Länder verpflichtend. Lebenslange Schutzdauer nach einer einmaligen Impfung gemäß WHO. Hohe Wirksamkeit von etwa 95–99 % [3]. Kontraindikationen (z. B. Immunsuppression) müssen streng beachtet werden.

Japanische Enzephalitis
Indikation bei Langzeitaufenthalten oder ländlichen Reisen in Endemiegebieten Süd- und Südostasiens. Impfstoff bietet nach 2 Dosen einen Schutz von ca. 96 % [4].

Tollwut (Rabies)
Besonders relevant in Ländern mit hoher Prävalenz streunender Hunde (z. B. Indien, Südostasien). Präexpositionsprophylaxe reduziert die Komplexität der postexpositionellen Therapie erheblich. Letalität der Erkrankung liegt nahezu bei 100 % [2].

Meningokokken-Impfung (ACWY)
Pflichtimpfung für Reisende nach Saudi-Arabien zur Pilgerfahrt (Hadsch/Umra). Indikation in Regionen mit Meningitisgürtel (Subsahara-Afrika) während der Trockenzeit [3].

Malariaprophylaxe
Obwohl für die meisten Malariaformen kein Impfstoff verfügbar ist (mit Ausnahme spezifischer Impfprogramme), ist eine individuelle Risikoabschätzung und ggf. Chemoprophylaxe essenziell. Ergänzend werden Expositionsprophylaxen empfohlen, darunter Repellents, Moskitonetze und Vermeidung von Dämmerungsaktivitäten [4].

Der Autor

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter
Arzt für Allgemeinmedizin
Arzt für Naturheilverfahren
76684 Tiefenbach
schlueter@vital-arzt-praxis.de
www.vital-arzt-praxis.de

Dr. Dr. Peter Schlüter ist promo­vierter Naturwissenschaftler und ­Mediziner. Seit 1982 ist er als Arzt für Allgemein­medizin mit betriebs­­wirtschaftlich ­opti­mierter Praxis nieder­gelassen. Als Berater zu allen ­Fragen der Praxisorganisation, Praxis­manage­­ment und ­Abrechnung ist er seit 1987 tätig.

  1. Ständige Impfkommission (STIKO). Epidemiologisches Bulletin 4/25
  2. World Health Organization (WHO). Immunization position papers
  3. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Yellow Book: Health Information for International Travel
  4. Robert-Koch-Institut (RKI). Leitlinien und Merkblätter zu Reiseimpfungen und Infektionsrisiken
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