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Gynäkologie

Mikronährstoffe

Eisenstoffwechsel und Eisenmangel

30.8.2021

Eisenmangel kann sich vielfältig äußern: Veränderungen des Wohlbefindens, kognitive Einbußen, eine zum Teil erhebliche Müdigkeit bis hin zur Ausprägung einer Anämie. Frauen sind in vielen Lebensphasen stärker betroffen als Männer.

Der Metabolismus des Eisens stellt ein komplexes Zusammenspiel zwischen intra- und extrazellulären Proteinen dar.[1] Mit der Nahrung werden pro Tag ca. 10–15 mg Fe zugeführt, resorbiert werden nur ca. 1–2 mg, die im Serum als Fe-Transferrin zirkulieren. In dieser Form wird Eisen auch aus den Speichern, v. a. der Leber, aufgenommen. Auf diese Art werden pro Tag ca. 20–25 mg Eisen im Serum transportiert. Trotzdem ist das Serumtransferrin normalerweise nur zu etwa einem Drittel mit Fe3+ gesättigt, sodass eine große Bindungskapazität zur Verfügung steht.

Die Eisenabsorption findet im Duodenum statt. Die Resorption von Eisen erfolgt als Fe2+ auf der apikalen Seite der Enterozyten (Bürstensaummembran) in den oberen Dünndarmabschnitten. Dabei wird Fe3+ nach Reduktion durch eine Membranreduktase zu Fe2+ umgewandelt. In der Darmzelle wird das Fe2+ entweder in Form von intrazellulärem Ferritin gespeichert oder zur basolateralen Zellmembran transportiert. An der basolateralen Enterozytenmembran wird das nicht in Ferritin eingelagerte ­Eisen in Form von Fe2+ an Ferroportin gebunden.[2]

Das Hepcidin hat die Schlüsselfunktion bei der Regulation der Resorption, Gewebeverteilung und extrazellulären Konzentration von Eisen. Ist der Eisenspiegel zu niedrig, bremst die Leber ihre Hepcidinproduktion. Als Folge wird die Freisetzung von Eisen aus Zellen ins Blut gesteigert.[3] Bei einem hohen Körpereisenspiegel, bei Infektionen oder Entzündungen wird das Hepcidin kodierende Gen HAMP hochreguliert. Dadurch steigt auch das im Blut zirkulierende Hepcidin und bindet an das Ferroportin, wodurch dessen Internalisierung und Degradation induziert wird. Unter den Anämien, die auf eine Störung der Hämoglobinbildung zurückzuführen sind, hat die Eisenmangelanämie die größte praktische Bedeutung. Die WHO geht davon aus, dass weltweit 42 % der schwangeren Frauen und 30 % der nicht schwangeren im Alter von 15–50 Jahren anämisch sind, bei Männern liegt der Anteil deutlich niedriger.[4]

Bei der Diagnose einer Anämie sollten grundsätzlich Hb, Blutbild, Eisenspeicher (Serum-Ferritin), Eisenverfügbarkeit (Transferrin-Sättigung) wie auch der Grad der Entzündung (CRP) bestimmt und kombiniert werden, denn alle Parameter haben ihre Einschränkungen. Die Ferritin-Konzentration im Blutserum ist in der Praxis das beste Maß für das Speichereisen. Sinkt es unter den Normwert – nach deutscher Leitlinie bei Männern

Wann und wie supplementieren?

In den meisten Fällen eines Eisenmangels (Schwangere, Hypermenorrhoe, inadäquate Nahrungseisenaufnahme) reichen orale Eisengaben aus. Es stehen zahlreiche Zubereitungen zur Verfügung, die von einfachen Eisensalzen bis hin zu komplexen Eisenverbindungen für eine verzögerte Freisetzung im Dünndarm reichen. Alternativ oder ergänzend ist eine Therapie mit Lactoferrin eine Option. Das Glykoprotein bindet Eisen mit hoher Affinität und fungiert am Lactoferrin-Rezeptor der Darmschleimhaut als Eisendonator. Darüber hinaus senkt Lactoferrin die entzündungsbedingte Ausschüttung von Hepcidin. Therapieziele bei Eisenmangel­anämie sollten nicht nur der Ausgleich der Anämie, sondern auch das Wiederauffüllen der Speicher mit 0,5–1 g Eisen sein. Eine Fortführung der Therapie für einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nach Ausgleich der Anämie ist notwendig, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Frage, ob eine Eisensupplementierung auch bei nicht anämischen Eisenmangel-Patienten hilft, untersuchte eine aktuelle Metaanalyse.[6] Mit gemischten Ergebnissen. Bei Eisentherapie kommt es danach zwar zu einer Besserung der subjektiv wahrgenommenen Müdigkeit, auf die objektiv messbare Leistungsfähigkeit hat sie dagegen keinen Einfluss.

Die wichtigsten diagnostischen Abrechnungspositionen bei Eisenmangel neben den Pauschalen betreffen nach GOÄ die Sonografie (410 + 3 x 420) und die Blutentnahme (250). Im Rahmen der Therapie können hier u. a. die Ziffern für Beratung und Erörterung angesetzt werden. Nach EBM sind die Leistungen mit der Berechnung der Versichertenpauschale abgegolten. Eine Ausnahme sind auch hier die Sonografie und ggf. Infusionen. Red.

[1] Biesalski HK, Vitamine und Minerale, Thieme 2016
[2] Collins JF et al., J Nutr 2008; 138: 2284–2288
[3] Loréal O et al., Front Pharmacol 2014, 5: 128, PMID 24926268
[4] Benoist B et al., Worldwide prevalence of anemia 1993–2005, WHO 2008
[5] DGHO, Eisenmangel und Eisenmangelanämie, www.dgho-onkopedia.de
[6] Houston BL et al., BMJ Open 2018; 8: e019240

Bildnachweis: fad1986 (iStockphoto)

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