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Allgemeinmediin

Adipositas

Diskrepanz zwischen Evidenz und Versorgungsalltag

31.3.2026

Obwohl Adipositas als chronische Erkrankung anerkannt ist, werden stark übergewichtige Menschen oft nur unzureichend behandelt. Mithilfe der neuen Initiative „#gutbehandelt“ soll die Aufmerksamkeit für diese Problematik erhöht und Versorgungshürden sollen überwunden werden.

Fast jeder Fünfte in Deutschland ist adipös, hat also einen Body-Mass-Index (BMI) ≥ 30 kg/m2 – Tendenz steigend, wie Prof. Dr. med. Matthias Blüher (Leipzig) berichtet hat. Seit dem Jahr 2000 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Adipositas als chronische Erkrankung eingestuft. Chronisch bedeutet, dass eine Heilung bisher kaum möglich ist und die Betroffenen meist lebenslanger Behandlung bedürfen – ähnlich wie beim Bluthochdruck. Bei arterieller Hypertonie werde medikamentös gegengesteuert, um Folgen wie Schlaganfall oder Myokardinfarkt zu vermeiden, so Blüher. Mit Adipositas seien ebenfalls viele Folgeerkrankungen verbunden. „Die Ursachen der Adipositas sind hochkomplex. Dennoch behandeln wir sie oft noch, als wäre sie ein reines Lifestyle-Problem", so Blüher. Die Behandlung bei Adipositas erschöpfe sich meist in Ratschlägen wie „essen Sie weniger, bewegen Sie sich mehr”. Doch für Menschen mit BMI ≥ 30 kg/m² sei eine dauerhafte Gewichtsabnahme allein durch Verhaltensänderung oft physiologisch unmöglich.

Unspezifische Empfehlungen verstärkten nur das ­Gefühl, nicht ernst genommen zu werden und an der Erkrankung selbst schuld zu sein, sagte der Allgemeinarzt Witold Rak (Gießen). Er stellte Umfrageergebnisse aus Hausarztpraxen vor, wonach Adipositas zu 80 % als Begleitumstand und nur zu 20 % als eigenständige Diagnose eingeordnet wird [1,2].

Fast die Hälfte der adipösen Menschen (43 %) wünscht sich medikamentöse Unterstützung beim Abnehmen [1]. Und diese ist mit modernen Arzneimitteln wie GLP-1-Rezeptoragonisten oder dem GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten Tirzepatid möglich. Diese Medikamente sind im Gesamttherapiekonzept neben Ernährungs- und Bewegungstherapie sowie psychologischer Begleitung bewährt. Trotzdem sieht ein Drittel der Ärzteschaft (31 %) Lebensstiländerungen weiterhin als alleinige Lösung, sagte Rak [2].

Ärzte und Ärztinnen, die die medikamentöse Behandlung bei Adipositas angehen wollen, würden allerdings durch fehlende Erstattungsstrukturen ausgebremst. Derzeit gelten die zugelassenen Präparate als Lifestyle-Medikamente und sind laut § 34 SGB V von der Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen. Die Verordnung auf Privatrezept scheuten 61 % der Hausärztinnen und -ärzte wegen der finanziellen Belastung für Patientinnen und Patienten und sprechen daher diese Option oft nicht an [2]. Doch auf Patientenseite sähen nur 36 % die Kosten als Barriere, sagte Rak [1].

Die neue Initiative „#gutbehandelt” entsteht in enger Zusammenarbeit von medizinischen Fachgesellschaften, dem Adipositas Verband Deutschland und dem Unternehmen Lilly Deutschland. Damit sollen die Betrachtung von Adipositas als chronische Erkrankung gefördert und die Versorgungshürden im Gesundheitswesen überwunden werden.

  1. Civey-Umfrage im Auftrag von Lilly, n = 5 000 Adipositas-Patienten, 2025
  2. DocCheck-Umfrage im Auftrag von Lilly, n = 100 hausärztliche Praxen

Online-Presse-Dialog „Gesundheitsdialog Adipositas – gut behandelt für eine anhaltende Perspektivwende” (Veranstalter: Lilly Deutschland GmbH), Februar 2026

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