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Dermatologie

Derma Update 2021

Epidemiologie und Risikoforschung

Dr. med. Yuri Sankawa

17.5.2022

Beim nicht melanozytären Hautkrebs (non-melanoma skin cancer, NMSC) sind die Inzidenzraten in der hellhäutigen Bevölkerung rasant gewachsen. Entwarnung gibt es für den Einsatz topischer Calcineurin-Inhibitoren (TCI), die mit einem erhöhten NMSC-Risiko assoziiert wurden [1].

Eine aktuelle Registerdatenanalyse zu Langzeittrends bei Hauttumoren in Schleswig-Holstein und im Saarland bestätigt steigende jährliche Inzidenzraten bei den kutanen Platten­epithel­karzinomen (cSCC) sowie Basalzellkarzinomen (BCC) [2]: Im Saarland ließ sich zwischen 1970 und 2017 ein Anstieg um 5,5 % bzw. 5,7 % bei Männern und Frauen beobachten (Abb.), in Schleswig-Holstein zwischen 1999 und 2016 ein Anstieg um 2,6 % bzw. 3,8 %. Bei der altersstandardisierten Mortalität ließ sich dagegen ein eher sinkender bzw. nahezu gleichbleibender Trend für beide Geschlechter feststellen. Als mögliche Gründe für die steigenden Inzidenz­raten von BCC und cSCC wird neben der Einführung eines neuen Krebsregistergesetzes im Jahr 2015 mit der damit verbundenen detaillierten Dokumentation von Tumorerkrankungen auch der regional vorherr­schende helle Hauttyp diskutiert [1,2].

Grafik Inzidenzraten für cSCC und BCC im Saarland

Entwarnung für topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI)

Calcineurin-Inhibitoren (CNI) wie Tacrolimus gehören im Bereich der soliden Organtransplantation zu den am häufigsten verwendeten Standard-Immunsuppressiva. Die in der Dermatologie eingesetzten TCI Tacrolimus und Pimecrolimus stehen bislang unter dem Verdacht, die Entwicklung von NMSC wie BCC oder cSCC zu begünstigen. Zwei Arbeiten, die das Hautkrebsrisiko bei verschiedenen Patientenpopulationen unter die Lupe nahmen, weisen jetzt darauf hin, dass der Einsatz von TCI bei atopischer Dermatitis und Vitiligo hinsichtlich des Hautkrebsrisikos sicher ist: In einer multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie wurden die Daten von 25 694 Vitiligo-Patienten ausgewertet, die zwischen 2001 und 2019 für mindestens sechs Wochen mit TCI oder Phototherapie behandelt worden waren [3]; in einer retrospektiven Kohortenstudie wurden die Versicherungsdaten von 93 746 über 40-Jährigen analysiert, bei denen zwischen Januar 2002 und Dezember 2013 eine atopische Dermatitis dia­gnostiziert worden war [4]. Auch wenn die Daten vorsichtig interpretiert werden müssen (retrospektiv, Nachbeobachtungszeit < 4 Jahre): In der Analyse zeigte sich das Auftreten von Hautkrebs oder Lymphomen bei Patienten mit Vitiligo nicht mit dem Einsatz von TCI, Phototherapie oder deren Kombination assoziiert [3]. Auch die mit TCI Behandelten mit atopischer Dermatitis wiesen keine signifikante Häufung der BCC- oder cSCC-Fälle oder Assoziationen zwischen TCI-Dosis, Häufigkeit und Anwendungsdauer und BCC-/cSCC-Risiko auf [4].

Vorsicht bei Hydrochlorothiazid

Neue Hinweise auf ein erhöhtes Hautkrebsrisiko ­kamen hingegen bei Thiaziden und Thiazid-ähnlichen Diuretika (TZ) mit photosensibilisierenden Eigenschaften hinzu: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte auf entsprechende ­Si­gnale aus Fall-Kontroll-Studien in Dänemark [5] seinerzeit mit der Veröffentlichung eines Rote-Hand-Briefes reagiert [6]. In einer Kohortenstudie mit Daten aus einem UK-Hausarztregister (1998–2017) wurde das Hautkrebsrisiko von Erstanwendern untersucht, die TZ oder Calciumkanal­blocker (CCB) als Blutdrucksenker der ersten Wahl einnahmen. Besonders für Lang­zeit­anwender (≥ 20 Verordnungen) von Hydrochlorothiazid (HCTZ) ergab sich ein dosisabhängiger Risikoanstieg für cSCC von 0,8 % (vs. 0,3 % unter CCB) – nicht aber für BCC. Die Langzeittherapie mit dem TZ Bendroflumethiazid (BFT) dagegen war nicht mit einem signifikant erhöhten Hautkrebsrisiko assoziiert [7]. Ähnliche Ergebnisse bzgl. des cSCC-Risikos unter HCTZ ergab eine monozentrische Analyse bei Organtransplantatempfängern, die ein per se erhöhtes Risiko für NMSC haben. Auch hier zeigte sich das Risiko für ein BCC vs. cSCC nicht erhöht [8]. Wird eine Umstellung der antihypertensiven Therapie auf das potenziell sicherere BFT erwogen, sollte sie nur über den Hausarzt bzw. Internisten erfolgen.

Prof. Dr. med. Carola Berking zu Hautkrebsinzidenz und Hydrochlorothiazid

1 Vortrag Prof. Dr. med. C. Berking „Non-Melanoma Skin Cancer“, 15. Dermatologie-Update-Seminar, Mainz, November 2021
2 Garbe C et al., Eur J Cancer 2021; 152: 18–25
3 Ju HJ et al., J Am Acad Dermatol 2021; 84: 1619–1627
4 Asgari MM et al., JAMA Dermatol 2020; 156: 1066–1073
5 Pedersen SA et al., J Am Acad Dermatol 2018; 78: 673–681
6 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte [Internet], Bonn/Köln: BfArM, c2021; Rote-Hand-Brief zu Hydrochlorothiazid (2018), Stand: 01.12.2021
7 Schneider R et al., Br J Dermatol 2021; 185: 343–352
8 Letellier T et al., Clin J Am Soc Nephrol 2020; 15: 1804–1813

Bildnachweis: privat

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