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Allgemeinmedizin

Tropenkrankheiten

Erster Reiseimpfstoff zugelassen

6.6.2023

Mit der Zulassung steht ein Impfstoff für eine – laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) – der zehn größten gesundheitlichen Bedrohungen zur Verfügung. Weil das Reisefieber auch in Deutschland zunimmt, sollte die Diagnostik auf Dengue auch in den Praxen etabliert werden.

Das Dengue-Fieber wird von vier verschiedenen ­Serotypen der Flaviviridae verursacht, zwischen denen es keine Kreuzimmunität gibt. „Der Vektor ­Aedes aegypti bzw. A. albopictus tritt als Kulturfolger der Urbanisierung auf, wobei klimatische Faktoren bei der Verbreitung der tagaktiven Mücke helfen“, sagte Prof. Dr. med. Tomas Jelinek (Berlin).

Wegen der kurzen Inkubationszeit manifestiere sich die Erkrankung meist noch im Urlaub. Sie verläuft in 80 % der Fälle mild, mit Fieber, Cephalgie, Myalgie sowie dem typischen stammbetonten Erythem mit weißem Dermographismus. Dramatischer sind Komplikationen wie hämorrhagisches Fieber oder der Zytokinsturm nach einer Neuinfektion. Therapiert wird rein symptomatisch, im Ernstfall intensivmedizinisch.

Weltweit steigen die Meldezahlen exponentiell an, was auch für beliebte Reiseländer wie Thailand, Malaysia, Nepal und Brasilien gilt. Touristen sind somit gleichzeitig Opfer und Vehikel für die weitere Ausbreitung. So gibt es inzwischen eine stabile Mücken-Population in den Mittelmeerländern (Madeira, Ibiza, Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien), und in Zukunft rechnet man im Sommer auch mit Ausbrüchen im Breisgau.

Lang anhaltende Wirksamkeit

Der neue tetravalente Impfstoff wirkt gegen alle vier Serotypen, und ist für seronegative und seropositive Personen geeignet, so Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz (Würzburg). Der attenuierte Lebendimpfstoff basiert auf dem DENV-2-Stamm, sowie drei chimären Viren, die die Oberflächenproteine von DENV-1, -3 und -4 exprimieren. Geimpft wird ab 4 Jahren, mit zwei Dosen zu jeweils 0,5 ml subkutan im Abstand von 3 Monaten, möglich auch in Kombination mit der Impfung gegen Hepatitis A und Gelbfieber. Die einzige Kontraindikation ist eine HIV-Infektion.

Die Studienlage: 19 Studien der Phasen I–III mit 28 000 Kindern und Erwachsenen in 13 Ländern wurden durchgeführt bzw. laufen. In der zulassungsrelevanten TIDES-Studie mit 20 000 Kindern und Jugendlichen zeigte sich eine Wirksamkeit von 80,2 % nach 12 Monaten und von 73 % nach 18 Monaten (Vermeidung Hospitalisierung 90,4 % und schwerer Verläufe 85,9 %). Nach 54 Monaten betrug die Wirksamkeit 61,2 %, in Bezug auf Krankenhauseinweisungen lag sie bei 84,1 %.

Der Impfstoff bietet Schutz für mehrere Jahre.

Relevante Nebenwirkungen oder Anzeichen für ein Antikörper-bedingtes Enhancement zeigten sich nicht. Nach wie vor wichtig ist der Mückenschutz, da Aedes auch Gelbfieber, Zika und Chikungunya überträgt und andere Mücken weitere Erkrankungen übertragen.

Launch-Fachpressekonferenz „Qdenga® – Zulassung des ersten Reiseimpfstoffs gegen Dengue-Fieber“ (Veranstalter: Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG), Berlin (virtuell), März 2023

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