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Dermatologie

Stadiengerecht therapieren

Acne vulgaris: Tipps für die dermatologische Praxis

Dr. med. Viktor A. Czaika, Dr. rer. nat. Reinhard Merz

3.3.2026

Acne vulgaris ist harmlos, gehört aber zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen und ist für die Betroffenen mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Während die deutsche S2k-Leitlinie in diesem Jahr fertiggestellt werden soll, gibt dieser Beitrag bereits Tipps für die Praxis.

In einer Trendanalyse (10 –24 Jahre) stieg die altersstandardisierte Prävalenz der Akne von 8 563/100 000 (1990) auf 9 790/100 000 (2021), Tendenz weiterhin steigend [1]. Zudem war die Prävalenz bei jungen Frauen zudem etwa 25 % höher als bei jungen Männern [1]. Die Pathogenese wird als dynamisches Netzwerk aus Retentionshyperkeratose/Mikrokomedon, Sebumdysregulation, mikrobieller Dysbiose inklusive Biofilmbildung und frühem Immuno-inflammatorischem Treiber verstanden [2].

Klinisch dominieren polymorphe Effloreszenzen in seborrhoischen Arealen (Gesicht, oberer Thorax/Rücken) mit Komedonen, entzündlichen Papeln/Pusteln und – bei schweren Verläufen – Knoten/Zysten. Eine frühe Entzündungskontrolle ist prognostisch relevant zur Narbenprävention [3].

Praktisch hat sich eine Kombination aus Morphologie (comedonale vs. papulopustulöse vs. noduläre/conglobate Akne), standardisiertem Grading sowie strukturierter Erfassung von Narbenrisiko und psychosozialer Belastung etabliert [2,4].

Therapie und Management

Leitlinien präferieren eine frühe, schweregradadaptierte Kombinationstherapie sowie konsequentes Antibiotic Stewardship (keine Antibiotika-Monotherapie; systemische Antibiotika zeitlich begrenzen und immer mit BPO/Retinoid kombinieren) [2,4].

Leitlinien präferieren eine frühe, schweregradadaptierte Kombinationstherapie.

Die US-amerikanischen Empfehlungen wurden 2024 überarbeitet und mit einem systematischen Review ergänzt, aus dem 18 evidenzbasierte Empfehlungen und 5 Gute-Praxis-Aussagen (Good Practice Statements) abgeleitet wurden [5]. Sie formulieren u. a. starke Empfehlungen für Benzoylperoxid (BPO), topische Retinoide, topische Antibiotika (typischerweise kombiniert), orale Doxycyclin-Therapie sowie orales Isotretinoin bei schwerer Akne und Versagen gängiger Therapien. Als gute klinische Praxis gelten die Anwendung von topischen Therapien, die mehrere Wirkmechanismen kombinieren, die Begrenzung der Verwendung systemischer Antibiotika, die Kombination von systemischen Antibiotika mit Benzoylperoxid und anderen topischen Therapien sowie adjuvante intraläsionale Kortikosteroid-Injektionen [5,6].

Neue Ansätze umfassen topische Zielstrukturen sowie Retinoide.

Die Intervention richtet sich nach der Art und der Schwere des Befundes. Als Kriterien angewendet werden: Schweregrad, Anzahl und Art der Läsionen, Ort des Befalls, Vernarbung, familiäre Belastung, Geschwindigkeit des Auftretens, psychischer und psychosozialer Einfluss. Hierbei wird zumeist eine Auswahl getroffen (Abb.) [5,6]. Bei einer moderaten Akne unter oralem Tetrazyklin (z. B. Doxycyclin) plus topischem Benzoylperoxid tritt in etwa 50 % der Fälle eine Besserung nach 3 Monaten ein. Bei milderen Verläufen mit topischer Therapie ist auch ein schnelleres Ansprechen möglich – schwere klinische Verläufe brauchen entsprechend länger.

Neue bzw. erweiterte Ansätze umfassen topische Zielstrukturen (Clascoteron 1 % als Androgenrezeptor-Antagonist) [7] sowie neue Retinoide (Trifaroten) mit Wirksamkeit bei Gesichts- und Stammakne [8]. Systemisch ist Sarecyclin in RCTs als wirksam und gut verträglich bei moderat schwerer Akne beschrieben [9]. Laser/Licht und photodynamische Therapien (PDT) bleiben aufgrund heterogener Evidenz und fehlender Standardisierung primär individualisierte Adjunktivoptionen; systematische Reviews zur PDT berichten meist partielle Effekte bei relevanter Akuttoxizität (Schmerz/Erythem) [10].

Um den Leidensdruck der Betroffenen zu adressieren und die Bildung von Narben zu verhindern, sollten Patientinnen und Patienten mit Akne frühzeitig behandelt werden.

Dr. med. Markus Alexander Friedrich
Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Vorsitzender des Berufsverbands der Dermatologen Brandenburg

hautarzt.friedrich@gmail.com

Akne ist die häufigste Hauterkrankung im Jugendalter. Die zunehmend früher einsetzende Pubertät birgt zudem das Risiko für Akne auch bei Kindern. Sie ist die Dermatose, die auch am häufigsten einer unkontrollierten Selbstbehandlung unterzogen wird. Akne sollte in jedem Fall behandelt werden! Durch die spezifischen Entzündungsreaktionen in der Haut können im Verlauf, auch ohne eigenhändige Manipulation, Narben entstehen, die zu lebenslanger Unzufriedenheit und Stigmatisierung führen können. Die Therapie sollte individuell und entsprechend dem Schweregrad gezielt erfolgen. Dadurch wird nicht nur der Verlauf der Erkrankung verkürzt, die Schwere der Akne gemildert, sondern auch die Bildung von Narben.

  1. Zhu Z et al., Br J Dermatol 2025; 192: 228–37
  2. Nast A et al., J Eur Acad Dermatol Venereol 2016; 30: 1261–8
  3. Karoglan A, Gollnick HPM, Hautarzt 2021; 72: 815–27
  4. Reynolds RV et al., J Am Acad Dermatol 2024; 90:1006.e1–1006.e30
  5. Schnuch A, Diocheva-Radev S, Arzneiverordnung  in der Praxis 2/24
  6. Eichenfield DZ et al., JAMA 2021; 326: 2055–67
  7. Hebert A et al., JAMA Dermatol 2020; 156: 621–30
  8. Tan J et al., J Am Acad Dermatol 2019; 80: 1691–9
  9. Moore A et al., J Drugs Dermatol 2018; 17: 987–96
  10. Qureshi S et al., J Cutan Med Surg 2025; 29: 69–73
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