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Estrogenrezeptor-positives Mamma-Ca

Versorgungs-GAU: Eklatante Tamoxifen-Lieferengpässe

10.2.2022

Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informierte im Januar über einen Lieferengpass bei Tamoxifen. Seit Januar 2022 besteht bei Produkten mehrerer Hersteller/Vertreiber von Tamoxifen nahezu vollumfänglich ein Lieferengpass.

Betroffen sind davon zum jetzigen Zeitpunkt etwa 85% des Marktes. Der Engpass manifestiert sich aktuell vor allem bei den 20-mg-Tabletten. Mehrere Fachgesellschaften haben nun eine gemeinsame Empfehlung zur Handhabung des Lieferengpasses von Tamoxifen veröffentlicht.

Der selektive Estrogenrezeptor-Modulator Tamoxifen ist ein zentraler, unverzichtbarer Bestandteil der adjuvanten endokrinen Therapie zur Senkung des Rezidivrisikos bei Estrogenrezeptor-positivem Mamma-Ca (Tagesdosen in DDD 2019: 45 Mio., nach Arzneiverordnungs-Report), sowohl in der kurativen als auch in der palliativen Behandlungssituation. Aus Sorge vor einem Versorgungsengpass bei geschätzten 120.000‒130.000 Patientinnen empfehlen die Fachgesellschaften gemeinsam:

  • Die empfohlene Dosierung von 20mg/Tag beim Mammakarzinom kann auch durch Verwendung von 10-mg-Tabletten erreicht werden.
  • In einigen Indikationen kann Tamoxifen temporär durch andere Formen der endokrinen Therapie ersetzt werden, wenn keine Kontraindikationen vorliegen.
  • Allerdings: Der Ersatz von Tamoxifen durch andere Formen der endokrinen Therapie ist mit einer höheren Nebenwirkungsrate belastet.

In einigen weiteren Indikationen wird Tamoxifen im Off-Label-Use eingesetzt und in Leitlinien empfohlen. Aus Sicht der Empfehlungsautoren müssen kurzfristig alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um den Lieferengpass bei Tamoxifen zu beenden und einen Versorgungsengpass zu verhindern. Die Zahl der betroffenen Patientinnen ist hoch.

Bereits 2021 gab es im PharmNet-Portal von Bund und Ländern Hinweise auf einen Lieferengpass bei Tamoxifen. Formal informierte das BfArM dann am 28. Januar 2022 über Lieferschwierigkeiten seitens der Hersteller, betroffen ist vor allem die 20-mg-Tablette. Der Hintergrund ist nicht vollständig geklärt. Eine mögliche Erklärung ist ein Anstieg der Verschreibungen seit dem ersten Quartal 2020 im zeitlichen Zusammenhang mit den Lockdown-Maßnahmen aufgrund der COVID-19-Pandemie in Kombination mit einer geringen Flexibilität in den Herstellungsprozessen. Die Indikationen und die Empfehlungen von Leitlinien für den Einsatz von Tamoxifen haben sich in den vergangenen Jahren nicht grundlegend geändert. Die Empfehlung substantiiert die ‒ temporären ‒ therapeutischen Alternativen indikationsbezogen genauer (siehe PDF-Download bei der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie [DGHO], anderen Fachgesellschaften oder BfArM).

Fachgesellschaften: Tamoxifen ‒ Aktuelle Empfehlungen, Februar 2022

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