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Allgemeinmedizin

Kardiovaskulärer und pulmonaler Schaden

Vapen plus Rauchen ist besonders Fatal

Sarah L. Bopp

31.7.2026

E-Zigaretten werden als „modernes Rauchen light“ oder zur Tabakentwöhnung angepriesen. Aber es wird immer klarer: Auch Liquiddampf schädigt Lunge und Herz. Und offenbar potenziert sich die Schadwirkung im dualen Gebrauch mit Tabakzigaretten. Auch ist Vapen oft eher Einstieg in die Welt des Nikotinkonsums als ein Ausstieg.

Eine E(elektronische)-Zigarette bzw. ein Vaporizer (Vaper, Vape) ist ein Gerät, das eine Flüssigkeit (Liquid) zum Verdampfen bringt. Dieser Dampf wird inhaliert. Im Unterschied zu herkömmlichen Tabakzigaretten findet keine Verbrennung statt [1].

Vaper werden oft als „gesündere“ Alternative zu Tabakzigaretten und als Entwöhnungshilfe beworben. Ein ausführliches präklinisches toxikologisches Testing oder Langzeitstudien zur Sicherheit gibt es bisher aber nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) rät zudem davon ab, Rauchenden das Vapen zur Entwöhnung zu empfehlen. Aber: „Inzwischen sind E-Zigaretten nicht nur besonders bei jungen Menschen in Mode, sondern auch sehr effizient in der Nikotinzufuhr“, sagte Dr. Marija Gredic (Gießen).

Laut WHO-Report 2025 sei in Europa ein deutlicher Anstieg der Vaper-Nutzung bei 13- bis 15-Jährigen festzustellen, so PD Dr. med. Jakob Ledwoch (München-Pasing). Dies geschehe im Gegensatz zum positiven Trend einer globalen Abnahme des Tabakgebrauchs. Dabei übertreffe die Prävalenz des Nikotinkonsums über Vaper in dieser Altersgruppe in Deutschland die bei Erwachsenen bei Weitem. Die Annahme, Vaper würden in Deutschland vorrangig zur Entwöhnung genutzt, sei völlig falsch. „Sie sind in erster Linie der Einstieg in den Nikotinkonsum.“ Dabei sei die Bandbreite der Nikotinzufuhr durch die Geräte sehr groß, zum Teil höher als mit herkömmlichen Zigaretten. Zudem könnten große Nikotinmengen inhaliert werden, ohne eine bronchiale Reizung hervorzurufen.

Vapen kann Blutdruck dauerhaft erhöhen

Ungefähr 4 Millionen Menschen hierzulande nutzten ­E- Zigaretten, berichtete PD Dr. med. Klaas F. Franzen (Lübeck). Er nannte als Quelle den Gesundheitsreport 2024 der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Man gehe davon aus, dass etwa die Hälfte davon Dualnutzer sind, also weiterhin auch Tabakzigaretten rauchen.

Neben Nikotin enthielten gängige E-Zigaretten-Aerosole Propylenglykol und Glycerin (Carbonyl-Vorläufer) sowie die Carbonylverbindungen Formaldehyd und Acrolein, die als kardiovaskuläre Schadstoffe bereits bestätigt sind. Die Schadwirkung entfalte sich etwa über eine gesteigerte Sympathikus-Aktivität mit Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz. Hinzu komme Thrombozytenaktivierung und oxidativer Stress sowie Endotheldysfunktion/verminderte flussvermittelte Vasodilatation (FMD). Experimentelle Belege bzw. plausible Hypothesen für Schadwirkungen gebe es zudem für diverse Aromastoffe, flüchtige organische Verbindungen und Feinstaub/Metallnanopartikel, die sich ebenfalls mit dem Dampf verbreiten, erläuterte Franzen. Daher: „Nikotinfrei heißt nicht sicher.“ Zusammengefasst seien akute kardiovaskuläre nikotinvermittelte Effekte durch Vapen belegt, für chronische Effekte bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall sei die Datenlage jedoch noch dünn und hinsichtlich Confoundern schwer einzuordnen. Allerdings zeichne sich ein mehr als verdoppeltes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ab, wenn sowohl Vaper als auch Tabakzigaretten benutzt werden [2].

Wie auch Ledwoch ausführte, seien die blutdrucksteigernden Effekte beim Vapen vor allem aber nicht nur auf Nikotin zurückzuführen. In einer Human-Studie aus dem Jahr 2018 wurde ein Anstieg des systolischen Drucks durch nikotinhaltiges Vapen von bis zu 10 mmHg (Abb. 1) bzw. des Pulses um bis zu 10 Schlägen pro Minute (Abb. 2) dokumentiert [3]. „Die Erhöhung von Blutdruck und Puls hielt bis zu 2 Stunden an, was bei einmal Vapen pro Stunde einem Dauereffekt gleichkommt“, sagte Ledwoch. Aber auch mit nikotinfreiem Dampf stiegen Blutdruck und Puls während des Vapens signifikant versus Baseline. Dies sei auf die Trägerstoffe, v. a. Propylenglykol und Glycerin, zurückzuführen. Bei der Blutdrucksteigerung gebe es insgesamt keinen relevanten Unterschied zwischen nikotinhaltigen E-Zigaretten und herkömmlichen Tabakzigaretten.

E-Zigaretten-Gebrauch verursacht chronisch-obstuktive Lungenerkrankung (COPD)

Hinsichtlich der negativen Folgen des Vapens auf die menschliche Lunge ist ebenfalls bereits einiges bekannt. Prof. Dr. med. Stefan Andreas (Immenhausen) berichtete von „knallharten Befunden“ etwa aus einer Bronchioskopie-Studie aus den USA, in der man entzündetes Bronchialepithel, intrazelluläre Liquidbestandteile und eine Alteration der Proteinexpression wie bei interstitiellen Lungenerkrankungen festgestellt hatte [4].

In einer aufwendigen PET-CT-Studie hätten Vape-Nutzende sogar eine stärkere Inflammation als Tabakzigaretten-Nutzende präsentiert, die eng mit TNF-α und Interleukin-6 korrelierte [5]. In einer Querschnittstudie mit über 700 000 Teilnehmenden habe man, so Andreas, eine drastische Erhöhung des Risikos für COPD, chronische Bronchitis und Emphysem festgestellt, das sich gegenüber Nichtrauchenden bei E-Zigarettengebrauch verdoppelte, nach Switch von Tabak- auf E-Zigaretten verfünffachte und bei dualem Gebrauch gar versiebenfachte [6]. Und auch aus einer Längsschnittstudie mit fast 22 000 Teilnehmenden gebe es eine Bestätigung der signifikanten Assoziation von Vapen mit einem erhöhten Risiko für die genannten Lungenkrankheiten sowie Asthma bronchiale [7]. Drei Metaanalysen [8,9,10] aus 2025 besagten zudem alle das Gleiche: „E-Zigaretten verursachen COPD, das ist jetzt safe.“

Insgesamt gebe es signifikante Assoziationen von E-Zigarettengebrauch mit COPD, Emphysem, chronischer Bronchitis, Asthma, COVID-19-Infektion, ob­struktiver Schlafapnoe und Lungenkarzinom. Die Pathophysiologie und experimentelle Daten sprächen für eine Kausalität, so Andreas´ Fazit.

Erkenntnisse aus dem Labor

Im Labor haben Gredic und ihr Team intensiv am Mausmodell und mit ­tierischen und humanen Fibroblasten-Kulturen geforscht. Sie fasste wichtige ­ Ergebnisse daraus zusammen: In der Maus führe sowohl Vaperdampf als auch Rauch aus Tabakextrakt (jeweils 6 Stunden/Tag über 8 Monate) zu einer Entwicklung von pulmonaler Hypertonie, bedingt durch Veränderungen in der Lunge und am rechten Ventrikel. Aufgesplittet in je 3 Stunden pro Exposition und Agens am Tag nacheinander ergaben sich bei der ­Lungenfunktion und -struktur sogar stärkere pathologische Veränderungen als mit 6 Stunden Einwirkung nur eines Agens allein. Gredic führte dies sowohl auf Veränderungen im Bereich der Granulozyten (Zunahme der ­Neutrophilen und Eosinophilen) als auch der Fibroblasten und anderer Strukturzellen der Lunge zurück, in erster Linie bei dualem Konsum. „Ich glaube, dass Zigarettenrauch und Vaperdampf die Lunge auf unterschiedliche Weise schädigen“, sagte die Naturwissenschaftlerin. Dabei habe sie in den Untersuchungen beobachtet, dass Vapen nach Rauchstopp die ­Regeneration der rechtsventrikulären Funktion verhinderte und eine ­pulmonale Hypertonie bestehen blieb, es aber zu keiner weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion kam.

Obwohl es noch an Langzeitdaten fehlt, dürfte inzwischen klar sein, dass das Inhalieren von E-Zigaretten-Dampf schädlich ist. Besonders ungünstig ist offenbar der recht häufige Gebrauch von Vapern zusätzlich zum Zigarettenrauchen (dual use). Dies macht eine Empfehlung von Vapern als Rauch-/Nikotin-Entwöhnungshilfe einmal mehr fraglich.

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/elektrische_Zigarette; Stand: 08.04.2026
  2. Chen C et al., Addict Behav 2024; 157: 108086
  3. Chaumont M et al., Sci Rep 2018; 8: 10378
  4. Gosh A et al., Am J Respir Crit Care Med 2018; 198(1): 67–76
  5. Wetherill RR et al., J of Nuclear Medizine 2023; doi:10.2967/jnumed.122.264529
  6. Behavioral Risk Factor Surveillance System. Am J Prev Med 2019
  7. Xie W et al., JAMA Netw Open 2020; 3(11): e2020816
  8. Malvi A et al., Respir Med 2025; 241: 108059
  9. Shabi M et al., NPJ Prim Care Respir Med 2025; 35(1): 31
  10. Song C et al., Respir Med 2025; 239: 107985

Symposium „Vapen und Dampfen: Aktuelles zur E-Zigarette“, Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), März 2026

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