Ein unzureichender Folatspiegel gilt als Risikofaktor für das Entstehen von Neuralrohrdefekten (NRD), wie dem „offenen Rücken“ (Spina bifida), beim Fötus. Bereits zwischen der dritten und vierten Schwangerschaftswoche erfolgt der Schluss des Neuralrohrs, aus dem sich Gehirn und Rückenmark entwickeln – häufig ist eine Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.
Viele Frauen supplementieren jedoch erst nach dem positiven Schwangerschaftstest Folsäure und/oder sind sich unsicher, wie lange und in welcher Dosierung sie diese einnehmen sollen. Mit rund 1 von 1 000 betroffenen Schwangerschaften ist die Häufigkeit von NRD in Deutschland seit drei Jahrzehnten nahezu unverändert.
Schätzungsweise mind. die Hälfte dieser Fälle wäre durch einen ausreichenden Folatspiegel vermeidbar. Zudem ist die Folataufnahme kritisch einzuschätzen: Die empfohlene Zufuhr von 300 μg Folat-Äquivalenten pro Tag wird von vielen Frauen im gebärfähigen Alter nicht erreicht. Das Präventionspotenzial von NRD lässt sich nur dann ausschöpfen, wenn Frauen frühzeitig über den Zusammenhang zwischen Folsäure und NRD informiert werden.
