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Onkologie

NSCLC

Atezolizumab als NSCLC-Monotherapie: Neue Option bei hoher PD-L1-Expression

Rainer H. Bubenzer

3.9.2021

Die therapeutischen Optionen in der First-Line beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit hoher PD-L1-Expression waren bisher begrenzt. Nun gibt es eine weitere Therapieoption.

Am 30. April 2021 erfolgte die EU-Zulassung des PD-L1-Inhibitors Atezolizumab. Dies erweitere nun die Behandlungsmöglichkeiten in der First-Line-Monotherapie bei Patienten mit plattenepithelialer und nicht plattenepithelialer Histologie, ohne ALK- oder EGFR-Mutationen und einer PD-L1-Hochexpression auf mindestens 50% der Tumorzellen (TC3), inklusive mindestens 10% der tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC3), erläuterte Dr. med. Sylvia Gütz (Leipzig) während einer Podiumsdiskussion beim 61. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) [1]. Gegenüber der Chemotherapie zeige sich, so Gütz weiter, bei TC3- bzw. IC3-NSCLC nicht nur ein signifikanter, sondern auch ein klinisch relevanter Überlebensvorteil sowohl beim Gesamtüberleben (OS) als auch beim progressionsfreien Überleben (PFS). Dabei seien deutlich seltener therapiebedingte unerwünschte Ereignisse aufgetreten als unter Chemotherapie, vor allem verursache Atezolizumab nur außerordentlich wenige Pneumonitiden. Diese guten Ergebnisse, wie in der Phase-III-Studie IMpower110 dokumentiert, waren die Grundlage für die nun erfolgte Zulassung des PD-L1-Inhibitors.
Der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Dr. Klaus Nagels (Bayreuth) stellte erste Ergebnisse einer gesundheitsökonomischen Modellanalyse zur Liquid Biopsy (LB) hinsichtlich der molekularen Marker, der onkogenen Treiber beim NSCLC, vor. Die LB ist ein minimalinvasives Verfahren zur molekularbiologischen Charakterisierung von Tumorgewebe in vivo. Vom Konzept her habe dieses Add-on-Verfahren, so Nagels, viele Vorteile: So sei mit dem systemischen In-vivo-Ansatz eine umfassende Analyse der Tumorheterogenität, ein Monitoring der Tumorevolution, der Prognose oder natürlich auch des Behandlungsverlaufes möglich. Für Patienten gäbe es naheliegende Vorteile z.B. hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, für die Onkologen hingegen zusätzliche klinische Informationen (up to date, real time). Die klinische Relevanz und Funktion, so Nagels, liege potenziell darin, dass man das Diagnoseverfahren als Add-on oder auch als kompletten Ersatz der Gewebebiopsie einsetzen könne. In einem komplexen Modellierungsverfahren versucht seine Gruppe aktuell, den möglichen klinischen Nutzen der Liquid Biopsy herauszuarbeiten, z.B. durch relevante Einsichten im Behandlungsverlauf oder die möglichen Auswirkungen auf die Kosten. In den ersten, noch vorläufigen Ergebnissen aus Bayreuth zeigt sich nun, dass die Kosteneffektivität der LB vor allem bei EGFR-mutierten Patienten gegeben ist und dass sich ‒ in der Modellierung ‒ ein höheres progressionsfreies Überleben bei Behandlungspfaden mit LB ergibt (wobei der Effekt bei ALK-positiven Tumoren besonders ausgeprägt ist). Aus der Sicht Nagels‘ hat die LB besonders bei jenen Patienten einen Zusatznutzen, bei denen kein ausreichendes bioptisches Material zur Verfügung steht. Die LB bietet dann immer noch die Chance, auf systemischer Ebene die Situation bei den Treibermutationen zu erkennen.

Podiumsdiskussion „Lungenkarzinom mal anders! – Eine Podiumsdiskussion“ im Zuge des 61. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) (Veranstalter: Roche Pharma AG), Juni 2021

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