Eine 2026 in Clinical and Experimental Dental Research publizierte systematische Übersicht mit Metaanalyse untersucht, ob lokal applizierte Statine als Zusatz zur konventionellen Parodontitistherapie klinisch relevante Vorteile bringen.
Eingeschlossen wurden 21 randomisierte kontrollierte Studien – 13 zur nicht chirurgischen Therapie, sechs zur chirurgischen Therapie sowie zwei zur Knochenregeneration vor Implantation. Untersucht wurden Atorvastatin, Rosuvastatin und Simvastatin, meist als lokal appliziertes Gel zusätzlich zur subgingivalen Instrumentierung beziehungsweise zum chirurgischen Vorgehen. In der Metaanalyse zur nicht chirurgischen Therapie zeigten sich nach sechs Monaten zusätzliche Reduktionen der Taschentiefe von 1,4 bis 2,3 mm und Attachmentgewinne von 1,7 bis 2,2 mm. Bei chirurgischer Therapie waren die Zusatzeffekte nach neun Monaten mit rund 0,8 mm geringerer Taschentiefe und 0,7 mm Attachmentgewinn kleiner, aber statistisch signifikant. Für die Knochenregeneration vor Implantationen war die Evidenz mit lediglich zwei Studien uneinheitlich. In 20 der 21 Studien wurden keine unerwünschten Wirkungen berichtet.
Interessant ist der Ansatz auch pharmakologisch: Neben der bekannten lipidsenkenden Wirkung werden Statinen antiinflammatorische und knochenanabole Effekte zugeschrieben, unter anderem über die Regulation von Osteoblasten und Osteoklasten sowie die Expression des knochenmorphogenetischen Proteins BMP-2. Durch die lokale Anwendung sollen hohe Wirkstoffkonzentrationen am parodontalen Defekt bei geringer systemischer Exposition erreicht werden.
Für die hausärztliche Einordnung ist allerdings eine klare Trennung wichtig: Untersucht wurde ausschließlich die lokale Anwendung am Parodontium. Eine Aussage über einen möglichen zahnmedizinischen Zusatznutzen einer oralen Statintherapie lässt sich daraus nicht ableiten. Zudem war die Heterogenität der nicht chirurgischen Studien erheblich, vielfach mit I²-Werten über 80 % und in einzelnen Analysen bis 97,5 %. Ein großer Teil der verwertbaren Daten stammt aus einer einzigen indischen Forschungsgruppe; unabhängige Replikationen sind begrenzt. Die Studien untersuchten überwiegend tiefere Zahnfleischtaschen und knöcherne Defekte, sodass die Ergebnisse nicht auf jede Parodontitis übertragbar sind.
Die Autoren und Autorinnen betrachten die gepoolten Effektgrößen daher eher als Hinweis auf die Richtung eines möglichen Effekts denn als präzise Schätzung seiner Größe. Die aktuellen S3-Leitlinien der European Federation of Periodontology (EFP) empfehlen Statine nicht als routinemäßige Zusatztherapie. Interessant ist die lokale Statintherapie damit vorerst vor allem als therapeutisches Prinzip – für die zahnmedizinische Routine reicht die Evidenz noch nicht. rb
Yoshida K et al.: Adjunctive Use of Locally Delivered Statins in Periodontal Therapy and PreImplant Bone Regeneration: A Systematic Review and MetaAnalysis. Clin Exp Dent Res. 2026;12:e70364 (DOI 10.1002/cre2.70364).