- Anzeige -
News

Onkologie

Erfolgreiche Virotherapie bei Gliomen

29.4.2021 17:11

Höhergradige maligne Gliome im Kinder- und Jugendalter haben, besonders bei Rezidiven, eine sehr ungünstige Prognose. Die mediane Überlebensdauer lag bisher bei etwa sechs Monaten. Die Möglichkeiten von Immuntherapien sind limitiert, da diese Malignome kaum Mutationen bzw. Neo-Antigene als Angriffsziel besitzen. Folglich wandern nur wenige Lymphozyten ins Tumorgewebe ein. Die Möglichkeiten der Immuntherapie sind also nur begrenzt. Chemotherapeutika gelangen   aufgrund der Blut-Hirn-Schranke schlecht in das Gewebe.
Eine weitere Option ist die onkolytische Virotherapie, bei der Tumorzellen mit Viren zerstört werden. In einer Studie wurden Kinder mit einem genetisch veränderten HSV-1-„G207“-Virus behandelt. Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) kann besonders leicht in Hirntumorzellen eindringen. Durch die G207-Mutation wird verhindert, dass sich das Virus in gesunden Zellen vermehren kann. Die Gliomzellen sind hochsensibel für HSV-1-G207 und nach einer Infektion kommt es zur Lyse der Tumorzellen. Zudem kann die intrazelluläre Virusreplikation durch eine einzelne Bestrahlungsdosis verstärkt werden. Eingeschlossen wurden zwölf Patienten (im Alter von 7 bis 18 Jahren) mit rezidiviertem, hochmalignem Gliom. In einem stereotaktischen Eingriff wurde ein Katheter in die Tumorregion eingesetzt und danach über sechs Stunden eine Infusion mit HSV-1-G207 verabreicht. Eine Gruppe erhielt anschließend eine Bestrahlung des Tumors mit 5 Gy. Beide Gruppen wiesen Therapieansprechen auf.  Die G207-Viren haben Tumorgewebe für das Immunsystem sichtbar gemacht, infolgedessen kam es zu einer verstärkten Lymphozyten-Infiltration. Das mediane Überleben lag bei 12 Monaten, 18 Monate nach der G207-Behandlung lebten noch 4/11 Patienten.  
„Wir sehen hier in der Neurologie/Neuroonkologie ein großes therapeutisches Potenzial, um in Zukunft auch Hirntumor-Patienten und -Patientinnen mit bislang sehr schlechter Prognose ein längeres und besseres Überleben zu ermöglichen“, kommentiert abschließend Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN.

Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), April 2021

No items found.

Dieser Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.

Das könnte Sie auch interessieren