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Sportmedizin

Knorpeldefekte: Langfristig verhindert Chondrozytentransplantation Arthrose

17.5.2022

Knorpeldefekte im Sport können bei nicht korrekter Behandlung und Rehabilitation erhebliche Auswirkungen haben. Anlässlich des kommenden 37. Kongresses der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) berichtet Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Nehrer, Dekan der Fakultät für Gesundheit und Medizin der Donau-Universität Krems (Österreich), über Neuigkeiten aus der Knorpelforschung und welche Relevanz Operationen und Therapien mit gezüchteten Knorpelzellen, Kollagen- und Hyaluron-Matrices haben.

Nehrer forscht und lehrt unter anderem intensiv auf dem Gebiet von Knorpelschäden. Er stellt fest: „Derzeit wird am häufigsten das Verfahren der einfachen Mikrofrakturierung angewandt. Wir wollen davon jedoch wegkommen, da es für Menschen, die wieder Sport treiben wollen, nicht ausreicht. Schon nach drei bis vier Jahren kommen sie mit großen Schmerzen und müssen erneut operiert werden.“ Bei diesem Verfahren wird die Oberfläche des Knochens angebohrt, der unter dem beschädigten Knorpel liegt. Aus dem Knochengewebe tritt Blut aus, das im Knorpeldefekt gerinnt. Die Stammzellen aus dem Knochenmark, die sich in dem Blut befinden, können sich in Knorpelzellen umwandeln und bilden in dem Defekt einen faserigen Ersatzknorpel. Dieser ist jedoch weniger belastbar als der ursprüngliche Gelenkknorpel (> krankhafte Veränderung der Gelenke).

Bessere Ergebnisse erzielt die sogenannte Minced Cartilage. „Mit einem Shaver wird rund um den Defekt Knorpelgewebe entnommen, dieses wird in einem Sieb aufgefangen, zerrieben, mit Blutprodukten gemischt und wieder in den Defekt gegeben. Das Ganze in einer Sitzung“, so Nehrer. Der Vorteil: es müssen keine Zellen im Labor angezüchtet werden. Der Nachteil: das Verfahren ist eher für mittelgroße Knorpelschäden geeignet und es gibt dazu noch keine aussagefähigen Studien.

Wenn der Defekt größer und zu wenig Knorpelgewebe zur Entnahme vorhanden ist, müssen andere Therapien herangezogen werden. Hier kommt unter anderem das AMIC-Verfahren zum Einsatz. Nehrer: „Bei der Autologen Matrixinduzierten Chondrogenese ‒ AMIC ‒ wird nach der Mikrofrakturierung ein Vlies mit einer Kollagen- oder Hyaluron-Matrix auf den Defekt gegeben. Darin wird das Blut wie mit einem Schwamm aufgesogen. Die Heilungschancen verbessern sich, da sich mehr Gewebe nachbilden kann.“ Wie Minced Cartilage eignet sich auch AMIC dann, wenn es schneller gehen soll und nicht so aufwendig und teuer sein darf.

Schlüsselelement Reha

Die größte Chance, dass der Knorpel wieder normal und sehr belastbar wird, ist jedoch immer noch die Anzüchtung von Chondrozyten im Labor, die dann als kleine Zellhaufen (Sphäroide) in den Defekt gegeben werden. Bei dieser Art kann die Knorpelzelltransplantation arthroskopisch erfolgen. Diese Chondrozytentransplantationen zeigen in vielen randomisierten Studien die besten Ergebnisse und sind auch langfristig wirksam. Wichtig für den Erfolg ist jedoch im Anschluss eine lange, gute und intensive Rehabilitation. Der finanzielle und administrative Aufwand der Knorpelzelltransplantation wird gesundheitsökonomisch mit der Verhinderung der Arthrose ausgeglichen.

Werden Therapien nicht rechtzeitig angegangen oder die Rehabilitation vernachlässigt, drohen im schlimmsten Fall eine frühe Arthrose und ein künstliches Gelenk. Doch das ist im frühen Alter oft mit Komplikationen und Wechseloperationen verbunden. Deshalb ist der Gelenkerhalt beim Sportler die oberste Prämisse (> Sportmedizin).

Pressemitteilung Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS), März 2022

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