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Neurologie

Tintenfische ‒ gedächtnisfit bis zum Tod

30.8.2021

Viele Menschen verlieren mit zunehmendem Alter allmählich die Fähigkeit, sich an Erlebnisse zu erinnern, die zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten passiert sind. Es wird angenommen, dass der Rückgang des „episodischen Gedächtnisses“ (ein wichtiger Teil des Langzeitgedächtnisses) ‒ beim Menschen ‒ auf Veränderungen im Hippocampus zurückzuführen ist.

Tintenfische haben keinen Hippocampus und ihre Gehirnstruktur unterscheidet sich drastisch von der der Menschen. Eine internationale Forschergruppe konnte nun experimentell zeigen, dass sich diese Tiere bis zu ihren letzten Lebenstagen daran erinnern können, was, wo und wann bestimmte Dinge in ihrem Leben passiert sind. „Die alten Tintenfische waren bei den von uns gestellten Gedächtnisaufgaben genauso gut wie die jüngeren“, berichtete Dr. Alexandra Schnell, Cambridge, in „Proceedings of the Royal Society B“.
Die Ergebnisse zeigen erstmals, so die Forscher, dass es Tiere gibt, deren Erinnerung an spezifische Ereignisse sich nicht mit zunehmendem Alter verschlechtert. Die Gedächtnistests wurden mit 24 Tintenfischen (Sepia officinalis) durchgeführt. Die Hälfte von ihnen war 10‒12 Monate alt ‒ also noch nicht ganz erwachsen, und die andere Hälfte war 22‒24 Monate alt ‒ was Menschen in den 90ern entspricht. Der Erhalt des Gedächtnisses bedeutet übrigens nicht, dass in der kurzen Lebensdauer von Tintenfischen ‒ etwa zwei Jahre ‒ nicht andere Alterserscheinungen auftreten würden. Auch bei Tintenfischen gibt es im Alter z.B. Muskelfunktions- oder Appetitverlust. Die Wissenschaftler nehmen an, dass der Erhalt des episodischen Gedächtnisses fast bis zum Tod den Tintenfischen in freier Wildbahn dabei hilft, sich daran zu erinnern, mit wem sie sich schon gepaart haben, um nicht zu demselben Partner zurückzukehren. Durch Paarung mit vielen Partnern können sie so ihre Gene weit verbreiten.
Die Studienergebnisse zeigen Tintenfische als interessantes Musterbeispiel zu Fragen von altersbedingtem Gedächtnisverlust und möglicher Resistenz dagegen, so die Wissenschaftler. Obwohl noch viele Fragen der Tintenfischphysiologie ungeklärt seien, könnten Tintenfische zu wertvollen Modellen werden, um natürliche Mechanismen zu untersuchen, die das komplexe Gedächtnis vor den Auswirkungen des Alterns schützen, auch beim Menschen.

Originalpublikation Schnell AK et al., Proceedings of the Royal Society B, 2021 Aug 18; 10.1098/rspb.2021.1052

Pressemitteilung University of Cambridge, August 2021

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