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Luftqualität

Wüstenstaub in Europa nimmt zu

17.9.2026

Forschende des Schweizer Paul Scherrer Instituts (PSI) haben erstmals umfassend untersucht, wie sich die Konzentration von Wüstenstaub in Europa entwickelt. Das Ergebnis: Vor allem in Südeuropa gelangen heute deutlich größere Staubmengen aus der Sahara und den arabischen Wüsten in die Atmosphäre als noch vor 10 Jahren. Verantwortlich dafür sind weniger häufige Staubstürme als vielmehr deren zunehmende Intensität sowie die fortschreitende Austrocknung Nordafrikas.

Die im Fachjournal Nature publizierte Studie basiert auf Messdaten von mehr als hundert europäischen Stationen, Satellitenbeobachtungen, Atmosphärenmodellen und Verfahren der künstlichen Intelligenz. Dadurch konnten die Forschenden erstmals eine hochaufgelöste Karte der Wüstenstaubbelastung für ganz Europa erstellen und regionale Trends über einen Zeitraum von zehn Jahren analysieren.

Besonders hohe Belastungen fanden sich in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Erhöhte Konzentrationen wurden aber auch in Westfrankreich nachgewiesen. Das liegt daran, dass Luftmassen aus der Sahara häufig zunächst über den Atlantik ziehen und anschließend weiter nördlich nach Westeuropa gelenkt werden.

Die Studie zeigt zudem, dass Wüstenstaub heute einen erheblichen Anteil an der gesamten PM₁₀-Belastung in Südeuropa ausmacht und dadurch die Bemühungen zur Verbesserung der Luftqualität teilweise unterläuft. Während sich anthropogene Feinstaubemissionen durch technische Maßnahmen reduzieren lassen, entzieht sich Wüstenstaub einer direkten Kontrolle. Nach Einschätzung der Forschenden könnte ein wirksamer Klimaschutz jedoch langfristig dazu beitragen, die weitere Ausbreitung trockener Wüstengebiete und damit auch die Freisetzung von Staub zu begrenzen.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die gesundheitlichen Folgen erhöhter Wüstenstaubkonzentrationen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gut dokumentiert ist bereits eine erhöhte Sterblichkeit an Tagen mit starker Staubbelastung infolge von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig schafft die jetzt aufgebaute Datenbasis die Voraussetzung, langfristige gesundheitliche Auswirkungen künftig genauer untersuchen zu können.

Zusatzinfo: Gesundheitliche Folgen von Wüstenstaub – klinisch relevant auch in Europa

Wüstenstaub ist weit mehr als ein meteorologisches Phänomen. Zahlreiche epidemiologische Studien zeigen, dass ausgeprägte Saharastaubereignisse mit einer Zunahme von Asthma- und COPD-Exazerbationen, mehr Notfallbehandlungen und Hospitalisierungen wegen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer erhöhten täglichen Gesamtsterblichkeit assoziiert sind. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen. Für die medizinische Praxis bedeutet dies, dass Warnungen vor starker Wüstenstaubbelastung – ähnlich wie Hitze-, Ozon- oder Feinstaubwarnungen – bei vulnerablen Personengruppen berücksichtigt werden sollten. Die jetzt veröffentlichte Nature-Studie liefert dafür erstmals eine belastbare Grundlage, indem sie die räumliche und zeitliche Entwicklung der Wüstenstaubbelastung in Europa detailliert beschreibt.

Pressemitteilung: „Wüstenstaub in Europa nimmt zu“. Paul Scherrer Institut PSI, Villigen/Schweiz, 15.7.2026 (https://www.psi.ch/de/news/medienmitteilungen/wuestenstaub-in-europa-nimmt-zu).

* Vasilakos PN et al.: Rising dust pollution threatens European air quality in a changing climate. Nature, 15.7.2026 (online) (DOI 10.1038/s41586-026-10743-w).

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