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Cannabis-Freigabe

Uneinheitliche Meinungen

25.6.2021

Eine Experten-Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestages am 21.06.2021 zu einem Antrag der FDP aus dem März des gleichen Jahres, Cannabis zu Genusszwecken kontrolliert an Erwachsene abzugeben und die derzeitige Repressionspolitik der Bundesregierung aufzugeben, ist uneinheitlich ausgegangen. Trotz einer staatlich regulierten Abgabe, wie sie die FDP vorschlägt, befürchten Experten eine Zunahme der Suchtproblematik und eine Ausweitung des illegalen Drogenhandels.
Der Antrag der FDP-Fraktion fordert, dass Erwachsene Cannabis zu Genusszwecken in Apotheken und speziell lizenzierten Geschäften erwerben können. Der maximale Gehalt von Tetrahydrocannabinol (THC) und weiteren gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffen müsse auf wissenschaftlicher Grundlage gesetzlich festgelegt werden. Als maximale Besitzmenge schlägt die FDP für Privatpersonen 15g Cannabis vor. Zudem sollte eine Cannabis-Steuer eingeführt werden.
Prof. Dr. med. Kirsten R. Müller-Vahl von der medizinischen Hochschule Hannover sprach sich dafür aus, neue Wege zu gehen und neue, kontrollierte Abgabemöglichkeiten zu erproben, die dann vielleicht beispielhaft sein könnten für die künftige Abgabe legaler Drogen wie Alkohol. Es dürften bei Cannabis nicht dieselben Fehler gemacht werden wie bei Alkohol, mahnte sie in der Anhörung.
Die Bundesärztekammer (BÄK) erinnerte in der Anhörung hingegen an die besonders schädlichen Wirkungen von Cannabis auf Jugendliche. Die Risiken für Langzeitschäden seien insbesondere bei Jugendlichen hoch. Es stelle sich die Frage, wie bei einer legalisierten Abgabe junge Leute effektiv geschützt werden könnten.
Auch Uwe Wicha vom Institut für Gesundheit und Bildung (IGB) zeigte sich in der Anhörung skeptisch zur Freigabe der Droge Cannabis. Er forderte mehr Gesundheitsschutz und mehr Prävention, um die Verbreitung von Drogen zu unterbinden. Nach Ansicht Wichas zeigt das Beispiel Alkohol, wie schädigend eine Freigabe von Cannabis sein könnte.
Eine Reihe weiterer Experten stellten die ihrer Ansicht nach gescheiterte Verbotspolitik und deren Folgen, z.B. die Kriminalisierung von Konsumenten, in den Vordergrund ihrer Statements. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) betonte zudem, dass die Repression Hilfsangebote für Menschen mit problematischem Konsum erschwere. Begrenzte, kontrollierte und wissenschaftlich begleitete Modellprojekte sollten genutzt werden, um Erkenntnisse über Handlungsalternativen zu gewinnen. Durch eine reglementierte, aber legale Abgabe falle die Strafverfolgung weitgehend weg. Prävention, Früherkennung und Frühinterventionsangebote müssten aber erhalten bleiben.

Deutscher Bundestag Online-Dienste: Experten sehen Chancen und Risiken bei einer Freigabe von Cannabis, Berlin, 21.06.2021, https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw25-pa-gesundheit-847506 | t1p.de/reuv & inkl. Links auf alle Stellungnahmen

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