Bei vasomotorischen Beschwerden stehen uns jetzt neben der Hormonsubstitution weitere effektive zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung, die nach ersten Erfahrungen sehr effektiv sind. Dieser Beitrag fasst die ersten Praxiserfahrungen mit NK3(1)-Rezeptorantagonisten zusammen und stellt sie anderen Optionen gegenüber.
Die Wechseljahre werden in die Perimenopause, meist zwischen 45 und 51 Jahren, und die Postmenopause eingeteilt. Das durchschnittliche Menopausenalter in Deutschland liegt bei etwa 51 Jahren. Die ersten klinischen Zeichen sind meistens unregelmäßige Blutungen, aber auch bereits erste vasomotorische Beschwerden.
Neben vasomotorischen Symptomen (VMS) treten Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Konzentrationsschwäche (Brainfog) und auch somatische Beschwerden wie das genitourinäre Syndrom der Menopause oder auch Muskel- und Gelenkbeschwerden auf. Im Vordergrund stehen VMS, die passager schon in der Perimenopause auftreten und ihren Höhepunkt rund um die Menopause erreichen (Tab. 1).

Neben der Häufigkeit der Beschwerden sollte auch immer die Schwere der vasomotorischen Beschwerden erfasst werden. Ein schweres vasomotorisches Symptom besteht laut FDA-Richtlinien, wenn Hitzewallungen und Schwitzen zu einer Einstellung der Aktivität führen. Wenige, aber schwere Hitzewallungen können evtl. die Lebensqualität oft mehr beeinträchtigen als zahlreiche geringere Hitzewallungen.
Die Dauer der Symptome wird oft unterschätzt. Aus Studien ist bekannt, dass die durchschnittliche Dauer von vasomotorischen Beschwerden 7,4 Jahre beträgt. Bei Frauen, bei denen es bereits in der frühen Perimenopause beginnt, können die Beschwerden bis zu 11,8 Jahren anhalten. Insofern besteht hier doch über einen langen Zeitraum eine Beeinträchtigung der Lebensqualität und somit Handlungsbedarf.
Eng mit den vasomotorischen Beschwerden verbunden sind die Schlafstörungen. Ein höherer Schweregrad vasomotorischer Beschwerden führt auch zu vermehrten Schlafstörungen. Gelegentlich ist dies sogar das erste Symptom und sollte dann gezielt hinterfragt werden.
Diagnostik in der Peri- und Postmenopause
Die Peri- und Postmenopause sollte bei über 45-jährigen Frauen auch weiterhin aufgrund klinischer Parameter diagnostiziert werden. Bei früheren vasomotorischen Beschwerden sind Hormonbestimmungen, vor allem FSH, notwendig, um Hinweise auf eine prämature Ovarialinsuffizienz zu erhalten. Sonst unterliegen gerade in der Perimenopause die Hormonwerte extremen Schwankungen. Nur bei unklarer Symptomatik und erschwerter klinischer Zuordnung sind Hormonbestimmungen nötig.
Therapeutische Optionen
Es ist bekannt, dass bei lediglich 29 % der Patientinnen, die sich mit einer Symptomatik vorstellen, eine verschreibungspflichtige Therapie begonnen wird. Hier stehen die Hormontherapien an erster Stelle. Allerdings ist auch bekannt, dass die Compliance für die Hormonsubstitution besonders nach 2 Jahren deutlich nachlässt.
Die aktuell verfügbaren therapeutischen Möglichkeiten gliedern sich in 3 Gruppen, die rezeptfreien und nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten, die hormonfreien pharmakologischen Therapien und die menopausale Hormontherapie. Diese haben unterschiedliche Effektivitäten und wissenschaftliche Evidenz sowie differente Kontraindikationen und Zulassungsstatus.
Menopausale Hormontherapie
Die menopausale Hormontherapie (MHT) ist nach wie vor der Goldstandard zur Therapie der Beschwerden. Wesentliche Vorteile liegen hier in der schnellen und hohen Effektivität in der Therapie von vasomotorischen Beschwerden und auch den bestehenden Benefits bei rechtzeitigem Beginn im kardiovaskulären Bereich und in der Osteoporoseprävention.
Hier hat sich in den vergangenen Jahren ein Wandel zur transdermalen Substitution der Estrogene und zu bioidentischen Gestagenen (Progesteron und Dydrogesteron) vollzogen. Doch nicht in allen Situationen sind diese Varianten durchführbar. Insbesondere in der Perimenopause braucht es oft synthetische Gestagene, um die Ovaraktivität zu bremsen und akzeptable Blutungsprofile zu erreichen.
Die Hormonsubstitution sollte daher mit den Patientinnen, wenn keine absoluten Kontraindikationen vorliegen, immer besprochen werden. Es gibt natürlich auch weiterhin Indikationen für orale MHT-Präparate, bespielsweise bei Androgenisierungserscheinungen in der Perimenopause, zur Kontrazeption in der Perimenopause und bei speziellen Erkrankungen, wie einer isolierten Hypercholesterinämie.
Allerdings bestehen für die Hormonsubstitution absolute Kontraindikationen, wobei in der Fachinformation Mamma- und Endometriumkarzinom, venöse und akute arterielle Thromboembolien sowie Lebererkrankungen genannt werden. Oft bestehen auch andere kardiovaskuläre oder onkologische Risikofaktoren in dieser Altersgruppe. Hinzu kommen auch durchaus Ängste bei den Patientinnen vor einer Hormonsubstitution.
Dabei stehen die Angst vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko sowie einem erhöhten Thrombose- und Herzinfarktrisiko im Vordergrund. Auch das Auftreten von Blutungsstörungen wird mit einem Karzinomrisiko assoziiert. Des Weiteren besteht auch die Sorge vor einer Gewichtszunahme und eine Veränderung des Blutdrucks bei Anwendung einer MHT. Insofern gibt es doch einen großen Teil der Patientinnen mit erheblichem Leidensdruck, die aus medizinischen oder auch persönlichen Gründen keine Hormone anwenden wollen. Diese Patientinnengruppe war bisher deutlich unterversorgt.
Rezeptfreie und nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
In den Leitlinien wird immer wieder auf die kognitive Verhaltenstherapie verwiesen. Dies ist zwar wissenschaftlich belegt, findet aber in der Praxis fast nie Anwendung. Isoflavone und Cimicifuga-Präparate können angewendet werden, wobei die Daten dazu begrenzt und widersprüchlich sind. Für viele andere Präparate, z. B. Yamswurzelextraktcreme oder Leinsamenextrakt, konnte kein Einfluss auf die Hitzewallungen nachgewiesen werden.
Hormonfreie pharmakologische Therapie
Aus diesem Grund fanden andere Pharmaka für die nicht-hormonelle Therapie Anwendung (Tab. 2), v. a. bei Mammakarzinompatientinnen. Hier ist klar darauf hinzuweisen, dass diese off-label für die Therapie von VMS sind, da sie für andere Indikationen zugelassen sind. Dazu gehören Serotoninwiederaufnahmehemmer wie Paroxetin oder Escitalopram. Hier muss auf eine Interaktion mit Tamoxifen geachtet werden. Ein Vorteil von Venlafaxin ist, dass keine Interaktionen mit Tamoxifen bestehen. Diese Medikamente werden in der Praxis eher selten angewendet.
Neurokinin-3(1)-Rezeptorantagonisten
In den vergangenen Jahren haben sich bestimmte Indikationsgruppen für die NK3(1)-Rezeptorantagonisten herausgestellt:
Fezolinetant
Seit Februar 2024 ist der NK3-Rezeptorantagonist Fezolinetant zur Therapie moderater bis schwerer vasomotorischer Beschwerden im Zusammenhang mit der Menopause verfügbar. Er wird in einer Dosierung von 45 mg verabreicht. Es bestehen hier jetzt mehr als 2 Jahre gute klinische Erfahrungen. Im Januar 2025 erschien ein Rote-Hand-Brief wegen des potenziellen Risikos von Leberschäden unter der Anwendung.
Seitdem sind Leberwertkontrollen vor der Behandlung und in den ersten 3 Monaten vorgeschrieben (insgesamt 4 Blutentnahmen). Das erschwert die Anwendung in der Praxis, von schwerwiegenden Leberschäden wurde seitdem jedoch nicht berichtet. Meine Erfahrungen zeigen, dass Fezolinetant eine hohe Effektivität bezüglich der Reduktion von VMS hat. Daten für Mammakarzinompatientinnen werden derzeit in Studien erhoben. Bislang wurde eine Anwendung nicht empfohlen, da keine Daten vorliegen.
Elinzanetant
Elinzanetant ist seit November 2025 in der EU zugelassen. Der duale selektive NK1- und NK3-Rezeptorantagonist ist seit April 2026 auch in Deutschland verfügbar. Indikationen sind moderate und schwere VMS, die mit der Menopause assoziiert sind sowie zusätzlich VMS, die durch eine adjuvante endokrine Therapie im Zusammenhang mit einem Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom verursacht werden.
Der Ansatz beruht ähnlich wie bei Fezolinetant auf Effekten über NK3 sowie eine weitere zusätzliche Wirkung über den NK1-Rezeptor auf den Schlaf. Die Halbwertszeit beträgt 45 Stunden. Eine Metabolisierung erfolgt über das CYP-3A4. Aus diesem Grund sind Arzneimittelinteraktionen zu beachten, die sich vom Fezolinetant unterscheiden (Tab. 3).
Leberwertkontrollen sind nicht erforderlich. Die tägliche Dosierung beträgt 120 mg, das bedeutet die Verabreichung von 2 Kapseln von 60 mg. Dies sollte am Abend erfolgen. In Studien wurde gezeigt, dass Elinzanetant sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere von moderaten und schweren vasomotorischen Beschwerden nach 12 Wochen signifikant reduziert.
Auch gezielte Untersuchungen bei Schlafstörungen zeigen eine hohe Effektivität, was letztendlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität führte. Initiale Nebenwirkungen in den Studien waren Kopfschmerzen und Erschöpfung, die aber am Ende des Behandlungszeitraums weniger als 3 % betrafen.
Beim Nebenwirkungsprofil war initial die etwas hohe Rate von Patientinnen mit Erschöpfung auffällig. Aus diesem Grund wurde zusätzlich eine Driving-Studie durchgeführt. Hier konnten keine klinisch relevanten residualen Effekte auf die simulierte Fahrleistung am nächsten Tag festgestellt werden, selbst bei der Anwendung einer doppelten therapeutischen Dosis. Nichtsdestotrotz sollte man in der Praxis die Patientinnen darauf hinweisen, dass initial Kopfschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung auftreten können, was im weiteren Verlauf fast immer verschwindet. Die Einnahme am Abend ist deshalb in der Praxis empfehlenswert. Die Untersuchungen zu den Leberwerten zeigten keine Auffälligkeiten, sodass eine Leberüberwachung nicht notwendig ist.
In einer weiteren Studie wurde die Effektivität der Therapie bei Patientinnen mit einer adjuvanten endokrinen Therapie bei einem Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom untersucht. Diese Patientinnengruppe hat oft einen besonders hohen Leidensdruck, der auch die Compliance für die notwendige adjuvante Therapie des Mammakarzinoms beeinträchtigen kann. Auch hier zeigten die Daten eine deutliche und signifikante Reduktion von Häufigkeit und Schweregrad der VMS und eine Verbesserung der Schlafstörungen. Die Praxiserfahrungen bestätigen diese positiven Studiendaten.
Die NK3(1)-Rezeptorantagonisten haben einige Vorteile und sollten zielgerecht für die Therapie der vasomotorischen Beschwerden angewendet werden (Tab. 4). Bestehen weitere Indikationen, auch gewünschte präventive Effekte, dann ist die HRT zu bevorzugen (Abb. 1). Die Unterschiede von Elinzanetant im Vergleich zu Fezolinetant sind die statistisch signifikante Verbesserung der Schlafstörungen (hypothetisch über NK1 vermittelt), keine erforderlichen Leberwertkontrollen und die Zulassung zur Therapie von vasomotorischen Beschwerden unter adjuvanter endokriner Therapie bei Mammakarzinompatientinnen.

Vasomotorische Beschwerden in den Wechseljahren und den damit assoziierten Symptomen sollten zielgerichtet erfasst werden – auch durch aktives Nachfragen. Zur Therapie stehen uns jetzt neben der Hormonsubstitution weitere effektive zugelassene Optionen zur Verfügung, die nach ersten Erfahrungen sehr effektiv sind. Elinzanetant zeigt dabei zusätzliche Effekte auf die Schlafstörungen und ist zugelassen zur Therapie von vasomotorischen Beschwerden bei Mammakarzinompatientinnen. In der Praxis sollten alle Therapieoptionen geprüft und mit der Patientin ergebnisoffen diskutiert werden.


Zum Welttag für „Wechseljahre am Arbeitsplatz“ am 7. September 2026 machte die Deutsche Menopause Gesellschaft e. V. (DMG) darauf aufmerksam, dass die Wechseljahre und damit verbundene Beschwerden den Berufsalltag vieler Frauen erheblich beeinflussen können. Viele betroffene Frauen scheuen sich jedoch, in ihrem beruflichen Umfeld darüber zu sprechen, da in vielen Unternehmen noch zu wenig Wissen und Verständnis für dieses Thema vorhanden sind.
Um das Bewusstsein dafür zu stärken, informieren die DMG und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) über weiterführende Informationsmaterialien für Patientinnen, Arbeitgeber, Führungskräfte und medizinisches Fachpersonal. Diese können Interessierte kostenfrei herunterladen.
Volkswirtschaftliche Kosten und Unterstützungsmöglichkeiten, gemäß einer Hochrechnung der HWR Berlin 2024, gehen der Volkswirtschaft jährlich 9,4 Milliarden Euro aufgrund des Produktivitätsausfalls durch wechseljahresbedingte eingeschränkte Leistungsfähigkeit verloren. Relevant am Arbeitsplatz betroffen sind mindestens ein Drittel der Frauen im Wechseljahresalter. Rund 10 % der unter 55-jährigen Frauen gehen deswegen früher in Rente, bei den über 55-jährigen sind es rund 20 %.
Würden Unterstützungsmöglichkeiten passend zu den jeweiligen Tätigkeitsbereichen der betroffenen Frauen umgesetzt, könnten viele dieser negativen Auswirkungen verringert werden. Vor allem eine wertschätzende Kommunikation bietet einen wesentlichen und leicht umsetzbaren ersten Schritt: Führungskräfte, welche die Herausforderungen der Wechseljahre verstehen und Frauen mit sinnvollen Maßnahmen unterstützen, sind bei Beschwerden sehr wichtig. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von leicht umsetzbaren Optionen wie atmungsaktive Arbeitskleidung, Rückzugsmöglichkeiten oder – wo möglich – flexible Arbeits- und Pausenzeiten sowie arbeiten im Homeoffice.
Bezüglich Verständnis und Ansprechpartner im Unternehmen rund um die Wechseljahre herrscht oft noch ein erheblicher Wissensmangel: Frauen ordnen die ersten Symptome eher ihrem beruflichen und familiären Stress als den beginnenden Wechseljahren zu. Und auch Ärztinnen und Ärzte erkennen die starken hormonellen Schwankungen vor dem Ausbleiben der Regelblutung oftmals noch zu wenig als Ursache dafür. Führungskräfte können sich die Arbeitsplatzrelevanz dieser Lebensphase häufig nicht vorstellen, ebenso wenig wie ihre Einflussmöglichkeiten auf die Schwere der Beschwerden und die damit verbundene Arbeitsfähigkeit.
Pressemitteilung der DMG
Der Autor
Prof. Dr. med. Thomas Römer
Chefarzt der Frauenklinik in Köln-Weyertal
Herausgeber des Journals DER PRIVATARZT GYNÄKOLOGIE
Literatur beim Autor