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Gynäkologie

Wachsende Herausforderung in der gynäkologischen Praxis

Adipositas muss im Team gemanagt werden

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

30.3.2026

Adipositas stellt eine chronische, multifaktorielle Erkrankung dar, deren Prävalenz weltweit kontinuierlich zunimmt, auch in Deutschland. Gynäkologinnen und Gynäkologen nehmen eine zentrale Rolle in der Früherkennung, Prävention und Therapie ein.

Adipositas beeinflusst zudem zahlreiche gynäkologische und reproduktionsmedizinische Aspekte. Bereits im Jugendalter kann sie zu endokrinen Störungen führen. Besonders häufig tritt das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) auf, das mit Hyper­androgenämie, Zyklusstörungen und Infertilität einhergeht. Im reproduktiven Alter kann Adipositas die Fertilität beeinträchtigen. Neben ovulatorischen Störungen werden auch eine verminderte Implantationsrate und eine erhöhte Fehlgeburtsrate beschrieben. Darüber hinaus treten bei adipösen Frauen häufiger Schwangerschaftskomplikationen wie Gestationsdiabetes, Präeklampsie oder thrombo­embolische Ereignisse auf.

Mit zunehmendem Alter rücken metabolische Folgeerkrankungen stärker in den Vordergrund. Besonders relevant sind das metabolische Syndrom, Typ-2-­Diabetes, Hypertonie sowie Dyslipidämien. Gleichzeitig steigt das Risiko hormonabhängiger Tumoren. Chronische Anovulation und eine unopponierte ­Estrogenwirkung erhöhen das Risiko für ein Endometriumkarzinom.

Bereits eine moderate Gewichtsreduktion von etwa 5–10 % des Ausgangsgewichts kann zahlreiche adipositasassoziierte Komplikationen verbessern. Dazu zählen unter anderem Hypertonie, Dyslipid­ämie, Insulinresistenz sowie reproduktive Störungen. Bei PCOS-Patientinnen kann bereits eine geringe Gewichtsabnahme zu einer Wiederaufnahme der Ovulation und einer Normalisierung des Zyklus führen.

Trotz dieser positiven Effekte gestaltet sich eine langfristige Gewichtsreduktion häufig schwierig. Physiologische Gegenregulationsmechanismen, etwa hormonelle Veränderungen, gesteigerter Appetit und eine Absenkung des Grundumsatzes, erschweren eine dauerhafte Gewichtsreduktion. Neben Lebensstilinterventionen gewinnen pharmakologische Therapien zunehmend an Bedeutung. Inkretinbasierte Therapien, insbesondere GLP-1-Rezeptoragonisten sowie duale GIP/GLP-1-Agonisten, haben sich als ­effektive Behandlungsoptionen etabliert. Diese Substanzen wirken über mehrere Mechanismen: Sie fördern die Insulinsekretion, hemmen die Glukagonfreisetzung, verzögern die Magenentleerung und ­erhöhen das Sättigungsgefühl. Gleichzeitig reduzieren sie den sogenannten „Food Noise“, also das ­kontinuierliche Hungergefühl.

Da Frauen häufig über viele Jahre hinweg gynäkologisch betreut werden, bietet die gynäkologische Praxis eine wichtige Plattform für Prävention und Therapie. Beratung zu Ernährung, Bewegung und Lebensstil sollte integraler Bestandteil der frauenärztlichen Versorgung sein. Präventive Maßnahmen sollten bereits in der Schwangerschaft beginnen, da übermäßige Gewichtszunahme der Mutter auch langfristige metabolische Folgen für das Kind haben kann. Die Behandlung der Adipositas erfordert ein interdisziplinäres Konzept aus Lebensstilmodifikation, medikamentöser Therapie und – bei entsprechender Indikation – bariatrischer Chirurgie. Gynäkologinnen und Gynäkologen spielen dabei eine zentrale Rolle bei der Beratung betroffener Patientinnen.

Satellitensymposium „Update Adipositas Management – von Zyklus bis Zunahme“ (Veranstalter: Lilly Deutschland GmbH)

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