Die chronische spontane Urtikaria (csU) ist trotz belastender Symptome häufig unterdiagnostiziert und unzureichend kontrolliert. Mit dem oralen BTK-Inhibitor Remibrutinib steht seit Kurzem eine rasch wirksame Therapieoption für Erwachsene mit schlechtem Ansprechen auf H1-Antihistaminika zur Verfügung.
Die csU betrifft rund 1 % der Bevölkerung, etwa 70 % der Betroffenen sind Frauen, bis zur Hälfte entwickelt zusätzlich Angioödeme. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 30 bis 50 Jahren; nach 5 Jahren erreichen weniger als die Hälfte der Patienten und Patientinnen eine Remission. Trotz oft blickdiagnostisch erkennbarer Symptomatik vergehen im Mittel 2 Jahre bis zur Diagnosestellung. Doch auch danach zieht sich der Weg zur wirksamen Therapie meist über viele Monate.
Der csU liegen 2 sich überlappende Autoimmunmechanismen zugrunde: Bei der Typ-I-Autoimmunität binden IgE-Autoantikörper gegen körpereigene Antigene an Hautmastzellen. Bei der Typ-IIb-Autoimmunität richten sich IgG-Autoantikörper gegen IgE selbst oder den IgE-Rezeptor FcεRI. Beide Wege aktivieren über die Bruton-Tyrosinkinase (BTK) die Mastzell- und Basophilen-Degranulation und damit die Histaminausschüttung, die Quaddeln, Angioödeme sowie Juckreiz auslöst. Remibrutinib bindet dauerhaft und hochselektiv an BTK und unterbindet so diese Aktivierung unabhängig vom Autoimmun-Endotyp.
Deutliche Effekte bereits in der ersten Woche
In den identisch konzipierten, placebokontrollierten Phase-III-Studien REMIX-1 (n = 470) und REMIX-2 (n = 455) besserte sich der wöchentliche Urtikaria-Aktivitätsscore (UAS7) unter zweimal täglich 25 mg Remibrutinib bereits ab Woche 1 deutlicher als unter Placebo. In Woche 24 erreichten 35,6 bzw. 35,7 % der Betroffenen einen UAS7 von 0 (vollständige Freiheit von Quaddeln und Juckreiz) vs. 19,6 bzw. 15,7 % unter Placebo. Bis Woche 52 stieg der Anteil bei fortgesetzter Behandlung auf 44,8 bzw. 45,9 %. Auch Juckreiz (ISS7) und Quaddeln (HSS7) besserten sich signifikant stärker, unabhängig vom IgE-Ausgangswert. Bei Personen mit Angioödemen erreichte bereits in Woche 1 ein größerer Anteil unter Remibrutinib einen Angioödem-Aktivitätsscore von 0. Das Sicherheitsprofil war mit Placebo vergleichbar, lediglich Petechien traten unter Remibrutinib häufiger auf (3,8 vs. 0,3 %), meist mild und vorübergehend.
Zur Verlaufskontrolle empfiehlt sich der Urtikaria-Kontrolltest (UCT): Werte unter 12 Punkten gelten als unkontrolliert, ab 16 Punkten liegt vollständige Kontrolle vor. Bei chronischem Verlauf empfiehlt sich zunächst der Ausschluss entzündlicher Grunderkrankungen (Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP, Differenzialblutbild) sowie das Absetzen verdächtiger Medikamente wie nicht-steroidaler Antirheumatika, bei Bedarf ergänzt um die Suche nach Auslösern wie Autoreaktivität, chronischen Infekten oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Symposium „Paradigmenwechsel in der Urtikaria-Behandlung – von der Evidenz zur Implementierung“ (Veranstalter: Novartis Pharma GmbH)