- Anzeige -
Dermatologie

Chronisch-entzündliche Dermatosen

Frühzeitige Eskalation bei Handekzem und AD

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

19.8.2026

Chronisches Handekzem (CHE) und atopische Dermatitis (AD) an sichtbaren oder sensitiven Arealen beeinträchtigen die Lebensqualität. Innovative Therapien allein schließen Versorgungslücken nicht. Entscheidend sind definierte Therapieziele, engmaschige Kontrollen und eine rechtzeitige Eskalation.

Das CHE ist als Handekzem definiert, das mindestens 3 Monate anhält oder mindestens zweimal jährlich rezidiviert. Trotz einer jährlichen Prävalenz von 4,7 % verbleiben viele Betroffene über Jahre in wiederholten Zyklen topischer Kortikosteroide (TCS). Dänische Registerdaten zeigen eine durchschnittliche Wartezeit von 9,7 Jahren zwischen dem Beginn einer topischen Therapie und der nächsten therapeutischen Intervention; 52,5 % erhielten mindestens 3 verschiedene Topika. Auch deutsche Versorgungsdaten weisen auf ein häufiges Auf- und Abtitrieren unterschiedlicher TCS-Potenzklassen ohne klare Eskalationsstrategie hin.

Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier (Berlin) plädierte daher für ein Treat-to-Target-Konzept. Zeigt sich nach 2 Wochen keinerlei Besserung, sollte erneut Kontakt zur Praxis aufgenommen werden. Spätestens nach 4 Wochen ist eine persönliche Kontrolle erforderlich. Als Ansprechen gelten eine mindestens 50%ige Verbesserung im Hand Eczema Severity Index (HECSI), ein Juckreiz-NRS ≤ 4 oder eine Verbesserung des Investigator’s Global Assessment um mindestens 2 Punkte. Werden diese Ziele nicht erreicht, sollte die Therapie gewechselt werden. Angestrebt wird keine kurzfristige Symptomreduktion, sondern vollständige Krankheitskontrolle.

Mit Delgocitinib steht für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem CHE, bei denen TCS nicht ausreichen oder ungeeignet sind, eine steroidfreie topische Option zur Verfügung. In den gepoolten DELTA-1/2-Daten erreichten nach 16 Wochen 49,4 % unter Delgocitinib versus 20,9 % unter Vehikel ein HECSI-75. Beim HECSI-90 lagen die Raten bei 30,3 % vs. 10,6 %. Juckreiz besserte sich ab Tag 1, Schmerzen ab Tag 3. In DELTA 3 blieb die Krankheitskon­trolle bis Woche 52 erhalten.

Auch bei der AD sind Hände sowie Kopf und Hals bei jeweils rund 80 % der Betroffenen beteiligt; diese Areale sind sichtbar, exponiert und therapeutisch anspruchsvoll. Prof. Dr. med. Diamant Thaçi (Lübeck) präsentierte neue Daten zu Tralokinumab. In der Phase-IIIb-Studie ADHAND erreichten in Woche 16 40,0 % unter Tralokinumab gegenüber 10,6 % unter Placebo einen IGA-AHE von 0/1. In der offenen Phase lagen die Raten in Woche 32 bei rund 58 %; ein HECSI-90 erreichten 63,9 % der kontinuierlich mit Tralokinumab Behandelten. Parallel besserten sich Juckreiz, Schmerz und DLQI deutlich.

Die Real-World-Studie TRACE bestätigte die Wirksamkeit unter Versorgungsbedingungen. Nach 12 Monaten erreichten 84 % der mit Tralokinumab behandelten AD-Betroffenen mit Hand- oder Fußbeteiligung ein kombiniertes klinisches Ansprechen. Für die Head-and-Neck-Region dokumentierte ECZTEND eine anhaltende Kontrolle über 4 Jahre. Die zentrale Botschaft: Chronisch-entzündliche Dermatosen sollten nicht über Jahre mit kurzfristigen Therapiezyklen verwaltet, sondern früh anhand objektiver Ziele kontrolliert und bei unzureichendem Ansprechen konsequent eskaliert werden.

Pressekonferenz „Neue Perspektiven für Chronisches Handekzem und Atopische Dermatitis: Gemeinsame Herausforderungen – innovative Lösungen im Praxisalltag“ (Veranstalter: LEO Pharma GmbH)

Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

No items found.
123-nicht-eingeloggt