Moderne dermatologische Prävention umfasst weit mehr als den Schutz vor Sonnenbrand. Die Erwartungen vieler Patientinnen und Patienten richten sich auf drei Ziele: die Vermeidung akuter UV-Schäden, die Prävention von Hautkrebs sowie den Erhalt von Hautqualität, Pigmentbild und Barrierefunktion.
Konsequente Photoprotektion reduziert nicht nur Erytheme, sondern kann auch das Risiko UV-induzierter Hauttumoren senken. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem langwelligen UV-A1-Bereich zwischen 340 und 400 nm. Diese Strahlung dringt tief in die Dermis ein, fördert oxidativen Stress, Immunsuppression, solare Elastose sowie Pigmentverschiebungen und trägt über indirekte DNA-Schädigung zur Karzinogenese bei. Mit Mexoryl 400 steht ein organischer Filter zur Verfügung, der die bisherige Schutzlücke im langwelligen UV-A-Bereich adressieren soll. Für Hyperpigmentierungen wurde zudem die Kombination mit Melasyl diskutiert. Der Wirkstoff bindet Vorstufen der Melaninsynthese und soll neue wie bestehende Pigmentflecken günstig beeinflussen.
Ein zweiter Schwerpunkt war die KI-gestützte Dermatoskopie. Systeme wie AIMEE sollen bei der Beurteilung pigmentierter Läsionen unterstützen. Prospektive Daten deuten darauf hin, dass die Kombination aus ärztlicher Expertise und KI die Sensitivität erhöhen und unnötige Exzisionen reduzieren kann. Entscheidend ist nicht der Ersatz der klinischen Untersuchung, sondern eine strukturierte Human-Machine-Kollaboration. Bei atypischen Befunden bleiben Anamnese, Untersuchung, Verlaufskontrolle und histopathologische Sicherung unverzichtbar. Für die Akzeptanz werden zudem erklärbare Algorithmen benötigt, die maßgebliche Bildmerkmale transparent machen.
Unter „Skin Longevity“ wurde der möglichst lange Erhalt struktureller und funktioneller Hautqualität zusammengefasst. Intrinsische Alterung und Exposomfaktoren wie UV-Strahlung, Rauchen, Stress, Ernährung und Umweltbelastungen führen über reaktive Sauerstoffspezies sowie MAPK- und NF-κB-Aktivierung zu Kollagenabbau, verminderter Prokollagensynthese und niedriggradiger Entzündung. Daraus ergibt sich ein Stufenkonzept: täglicher Breitbandlichtschutz, antioxidative Wirkstoffe, Barrierestabilisierung und Kollagenstimulation. Niacinamid wurde als vielseitiger Inhaltsstoff hervorgehoben. Es wirkt antioxidativ und antiinflammatorisch, unterstützt die Ceramidsynthese und kann Barrierefunktion sowie Hautton verbessern. Retinoide bleiben wirksame Kollagenstimulatoren, können bei sensibler, atopischer oder peri- und postmenopausaler Haut jedoch irritieren.
Für die Basistherapie ist das richtige Verhältnis von Wasser, amphiphilen Lipiden und Humectants entscheidend. Ceramide, freie Fettsäuren und Cholesterin bilden die interkorneozytäre Lipidmatrix des Stratum corneum. Sowohl Unter- als auch Überhydratisierung können deren lamelläre Organisation stören. Eine wissenschaftlich begründete Emolliensformulierung sollte deshalb Wasser, geeignete Lipide, ein saures und gepuffertes pH-Konzept sowie dosiert eingesetzte Humectants wie Urea enthalten. Die Ceramidsubstitution ist vor allem bei gestörter Barriere plausibel. Die Wirksamkeit hängt von Galenik, Lipidzusammensetzung und Hautzustand ab.
Symposium „Von KI bis Longevity – zukunftsweisende Fortschritte in der Dermokosmetik“ (Veranstalter: L‘Oreal Deutschland GmbH)