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Kongress-Ticker

VIRTUELL - SEPTEMBER 2020

ESMO-Kongress 2020

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

12.4.2021

Fortgeschrittenes RCC: Nivolumab plus Cabozantinib

Eines der Highlights beim virtuellen ESMO-Kongress war die Vorstellung der Daten der Phase-III-Studie CheckMate 9ER zur Erstlinientherapie beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom (RCC). Die Studienergebnisse zeigen eine deutliche Überlegenheit der Kombinationstherapie aus dem Checkpoint-Inhibitor Nivolumab und dem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Cabozantinib gegenüber dem früheren Therapie­­standard Sunitinib hinsichtlich aller relevanten Wirksamkeitsendpunkte: Gesamtüberleben (OS), progressionsfreies Überleben (PFS) und Gesamt­ansprechrate (ORR).1 Es lag nahe, diese Kombination zu testen, da beide Substanzen zugelassene Therapien beim RCC sind und andere Kombinationen aus Checkpoint-Inhibitoren und TKI beim RCC bereits erfolgreich eingesetzt werden. Wie Studienleiter Dr. Toni Choueiri, Boston, MA, USA, im Presidential Symposium I beim ESMO berichtete, erhielten 651 Patienten mit nicht vorbehandeltem, fortgeschrittenem oder meta­stasiertem, klarzelligem RCC randomisiert entweder Nivolumab (240 mg i. v. alle zwei Wochen) plus Cabozantinib (40 mg oral täglich) oder Sunitinib in Standarddosierung. Primärer Endpunkt war das PFS. Im Kombinationsarm (n = 323) konnte eine 50%ige Risikoreduktion für Progress oder Tod vs. Sunitinib gezeigt werden, bei einem medianen PFS von 16,6 vs. 8,3 Monaten (HR 0,51; p < 0,0001). Auch die ORR war mit 55,7 % im Kombinationsarm fast doppelt so hoch wie unter Sunitinib mit 27,1 % – mit 8 ,0 % vs. 4,6 % kompletten und 47,7 % vs. 22,6 % partiellen Remissionen. Beim sekundären Endpunkt OS war die Kombination ebenfalls relevant überlegen mit einer HR von 0,60; das mediane OS war in beiden Armen noch nicht erreicht. Das Sicherheitsprofil der vergleichsweise intensiven Behandlung erwies sich als handhabbar. Die Inzidenz an behandlungs­assoziierten Nebenwirkungen war in beiden Armen vergleichbar, die Rate an Behandlungsabbrüchen niedrig. Auch die gesundheitsbezogene Lebensqua­lität unter Nivolumab/Cabozantinib blieb erhalten, während sie sich im Sunitinib-Arm verschlechterte. Laut Choueiri sprechen die Daten der CheckMate-9ER-Studie dafür, dass die Kombination Nivolumab plus Cabozantinib in Zukunft ein neuer Erstlinien-Behandlungsstandard beim fortgeschrittenen RCC wird.

Choueiri T et al., ESMO 2020, Abstract #696O_PR

Gastrointestinaltrakt: Drei praxisverändernde Studien

Die Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren bringt relevante Vorteile für Patienten mit Magen- und Ösophaguskarzinomen, die derzeit eine schlechte ­Prognose haben. Das zeigen gleich drei beim ESMO-Kongress präsentierte Studien, die als praxisverändernd gelten. Derzeit sind Checkpoint-Inhibitoren in westlichen Ländern beim Magen- und Ösophaguskarzinom noch nicht für eine Therapie in frühen Linien zugelassen. Die aktuellen Studiendaten vom ESMO legen jedoch nahe, dass sich das bald ändern dürfte.

In der Phase-III-Studie CheckMate-649 wurde der PD-1-Inhibitor Nivolumab zusammen mit Chemotherapie im Vergleich zur Chemotherapie alleine als Erst­linientherapie bei Patienten mit HER-2-negativem, fortgeschrittenem Magenkarzinom, Karzinomen des gastroösophagealen Übergangs und Ösophaguskarzinom – alle mit Adenokarzinom-Histo­­logie – evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Nivolumab und Chemotherapie das Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreie Überleben (PFS) bei Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren (Combined Positive Score [CPS] ≥ 5) gegenüber alleiniger Chemotherapie verbesserten (medianes OS 14,4 vs. 11,1 Monate; HR 0,71; p < 0,0001; medianes PFS 7,7 vs. 6,1 Monate; HR 0,68; p < 0,0001).[1] Verbesserungen wurden auch bei Tumorpatienten mit CPS ≥ 1 und in der gesamten Patientenpopulation beobachtet.

Die Phase-II-Studie ATTRACTION 4 ähnelte Check­Mate-649, abgesehen davon, dass sie nur bei asiatischen Patienten (n = 40) durchgeführt wurde und keine speziellen Grenzwerte für den PD-L1-Status festgelegt waren. Die Erstlinientherapie mit Nivolumab plus Chemotherapie verbesserte den koprimären Endpunkt PFS auf klinisch relevante Weise (medianes PFS 10,5 vs. 8,3 Monate; HR 0,68; p = 0,0007), verfehlte aber eine signifikante Verbesserung des OS (HR 0,90).[2] In der Phase-III-Studie KEYNOTE-590 wurde schließlich der PD-1-Inhibitor Pembrolizumab zusammen mit Standard-Chemotherapie gegenüber Chemotherapie alleine im Erstliniensetting bei 749 Patienten mit lokal ­­­fort­ge­schrit­tenem/un­resezier­barem oder metastasier­en­dem Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom des Ösophagus oder Siewert-Typ-I-Adenokarzinom des ösophagogastralen Über­­gangs evaluiert. Koprimäre Endpunkte waren das OS und PFS.

Wie Dr. Ken Kato, Tokio, Japan, berichtete, führte die Kombination Pembrolizumab/Chemotherapie im Vergleich zur Chemotherapie alleine zu einer statistisch signifikanten und klinisch relevanten Verbesserung aller klinischen Wirksamkeitsparameter – OS (median 12,4 vs. 9,8 Monate; HR 0,73; p < 0,0001) und PFS (median 6,3 vs. 5,8 Monate; HR 0,65; p < 0,0001) sowie Gesamtansprechrate (ORR; 45,0 % vs. 29,3 %).[3]

1 Moehler M et al., ESMO 2020, Abstract LBA6_PR
2 Boku N et al., ESMO 2020, Abstract LBA7_PR
3 Kato K et al., ESMO 2020, Abstract LBA8_PR

Bildnachweis: from2015 (iStockphoto)

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