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Kongres-Ticker

Versorgung Neugeborener

Deutschland braucht ein Frühgeburtenzentralregister

13.2.2026

Deutschland weist im internationalen Vergleich lediglich eine mittlere Qualität in der Neonatologie auf. Während Länder wie Japan, Finnland oder Schweden durch Register belastbare Versorgungsdaten generieren, besteht hierzulande weiter eine relevante Untererfassung perinataler Komplikationen und Outcomes.

Frühgeburtlichkeit bleibt ein multifaktorielles Syndrom mit komplexer Pathophysiologie. Neben maternalen Risikofaktoren wie Präeklampsie, Alter und Komorbiditäten gewinnen Umweltfaktoren zunehmend an Bedeutung. So ist Hitzestress mit einem signifikant erhöhten Frühgeburtsrisiko assoziiert. Die in Deutschland 2024 dokumentierten Hitzewellen unterstreichen die Relevanz klimatischer Einflüsse auf den Schwangerschaftsverlauf.

Einen zentralen Stellenwert in der Risikostratifizierung nimmt die transvaginale Zervixlängenmessung ein. Eine Zervixlänge < 15 mm ist mit einem deutlich erhöhten Frühgeburtsrisiko assoziiert. Die korrekte Durchführung mit ausreichender Geduld und minimalem Druck ist essenziell, um Fehlmessungen zu vermeiden. Das Vorliegen von „Sludge“ im Zervikalkanal wird zunehmend als inflammatorischer Marker diskutiert. In einer „Standortbestimmung“ zur Lage der Frühgeburten in Deutschland wurde allgemein zwar ein Rückgang festgestellt, allerdings sei seit der Corona-Epidemie wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Für das gesamte Land liegen die Zahlen zwischen 6 und 8 %. Entwarnung könne somit nicht gegeben werden. Prof. Dr. med. Ekkehard Schleußner (Jena) betonte: „Es ist dringend notwendig, dass wir für die Politik und die Gremien, die für die Gesundheitsversorgung Verantwortung tragen, wirklich belastbare Daten zur Verfügung stellen können.“

Therapeutisch stehen zur Schwangerschaftsverlängerung Tokolyse, Progesteronsubstitution sowie – bei entsprechender Indikation – Cerclage zur Verfügung. Die Tokolyse dient primär der kurzfristigen Schwangerschaftsverlängerung zur Durchführung einer Lungenreifetherapie und ggf. zum intrauterinen Transport in ein Perinatalzentrum. Eine längerfristige Tokolyse zur Prävention der Frühgeburt ist hingegen nicht evidenzbasiert und sollte nicht routinemäßig erfolgen.

Von besonderer Bedeutung ist die intravaginale Gabe von mikronisiertem Progesteron bei asymptomatischen Schwangeren mit verkürzter Cervix. Progesteron wirkt antiinflammatorisch, myometriumrelaxierend und stabilisiert die Zervixstruktur. Mit der neuen Zulassung in Deutschland steht erstmals ein zugelassenes Präparat zur Prävention der spontanen Frühgeburt bei Zervixverkürzung zur Verfügung, was einen wichtigen Schritt hin zu einer standardisierten, evidenzbasierten Versorgung darstellt.

Auch vor dem Hintergrund der geplanten Krankenhaus- und Notfallreform sowie des zunehmenden Fachkräftemangels wird die Etablierung eines nationalen Geburtenregisters als unerlässlich angesehen, um Versorgungsstrukturen datenbasiert weiterzuentwickeln und die Sicherheit für Mutter und Kind nachhaltig zu verbessern.

Lunch-Symposium „Die Frühgeburt von der Prädiktion zu Prävention“ (Veranstalter: Besins Healthcare Germany GmbH)

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