- Anzeige -
Kongress-Ticker

Virtuell – April 2021

DGK-Kongress-Ticker

Rainer Bubenzer

3.9.2021

Keine Hinweise auf kardiale Long-Covid-Erkrankung +++Kardiotoxische Medikamente relevante Sterbeursache bei Krebs+++Ablation bei Vorhofflimmern+++Herzinfarkte in Notaufnahmen+++SGLT2-Hemmer bei Herzinsuffizienz

Keine Hinweise auf kardiale Long-Covid-Erkrankung

Prof. Dr. med. Dirk Westermann (Hamburg) informierte über Auswirkungen von SARS-CoV-2-Infektionen auf das Herz. Bei akutem COVID-19 sehe man eine klare Herzbeteiligung, zudem sei der Virus im Herzen nachweisbar und verändere die Genexpression, jedoch komme es zu keiner Herzmuskelentzündung. Auch für Langzeitfolgen am Herzen im Sinne z. B. einer SARS-CoV-2-verursachten Herzinsuffizienz gäbe es bislang keine validen Daten. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kämen auch die bislang vorgelegten, sehr gut durchgeführten Magnetresonanztomografie(MRT)-Untersuchungen. Erste Langzeitstudien werden derzeit publiziert, wobei die Ergebnisse aber unbedingt unter Berücksichtigung der Kontrollgruppen zu bewerten seien. Englische Daten zeigten jetzt zwar, dass es sehr viele Symptome nach COVID-19 gäbe (womit auch klar sei, dass es Long-COVID gibt). Aber gleichzeitig sei bislang keine kardiale Organspezifität belegt worden (z. B. verhalten sich alle Biomarker neutral) – alle beobachteten Symptome im Verlauf einer schweren und nach COVID-19-Erkrankungen seien eben auch nach anderen Erkrankungen sichtbar. Ob sich die häufig beschriebenen Erschöpfungssyndrome nach COVID-19 durch eine von SARS-CoV-2 ausgelöste kardiale Erkrankung erklären lassen, ist ebenfalls noch völlig unklar. Dies bedeutet für Patienten nach überstandenem COVID-19, dass kardiale ­Symptome rasch mit der richtigen Diagnostik abgeklärt werden sollten. Nach momentanem ­Wissensstand sei jedoch, so betonte Westermann, nicht bei allen Patienten nach COVID-19 eine kardiologische Untersuchung notwendig, sondern nur bei jenen mit spezifischen Herzsymptomen.

Kardiotoxische Medikamente relevante Sterbeursache bei Krebs

Für die weiter steigenden Überlebensraten von Krebspatienten ist ein hoher Preis zu zahlen: Rund ein Drittel aller Betroffenen versterben im 7-Jahresverlauf an Herzkreislauferkrankungen, wie Prof. Dr. med. Tienush Rassaf (Essen) darstellte. Der wesentliche Grund dafür sei die hohe akute und/oder chronische Kardiotoxizität vieler Onkologika, die prinzipiell alle Strukturen des Herzens betreffen kann. Wer im Übrigen glaube, es seien vor allem die „älteren“ Chemotherapeutika hierfür verantworlich, täuscht sich: Auch neue Therapeutikagruppen wie die Immuncheckpoint-Inhibitoren gehen mit erheblicher Kardiotoxizität einher. Im ersten Jahr, so Rassaf, komme es bereits bei 9,7 % der Patienten zu kardialen Events (manifeste Myokarditis u. a.). Ähnliche relevante kardiale Nebenwirkungen treten auch bei der CAR-T-Zell-Therapie auf, bis hin zum plötzlichen Herztod. Ein aktuelles Konsensuspapier adressiert die häufigsten onkokardiologischen Probleme, einschließlich präventiver und therapeutischer Algorithmen für die krebsmedizinische Praxis [1].

1 Rassaf T et al., Clin Res Cardiol 2020; 109: 1197–1222

Ablation bei Vorhofflimmern

Bezüglich der Arrhythmietherapie fasste Prof. Dr. med. Thorsten Lewalter (München) wesentliche „Hot Topics“ zusammen: Neue Studien zeigen, dass eine frühe, etwas „aggressivere“ Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern schwere kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität klar reduziert [1] und dass die Ablation der pharmakologischen Rhythmuskontrolle überlegen ist [2]. Eine völlig neue Perspektive der Rhythmuskontrolle werde durch den Einsatz von „Künstlicher Intelligenz“ eröffnet. Dabei entdecke die digitale Analyse Anzeichen eines stattgehabten Vorhofflimmerns, die mit dem bloßen Auge nicht zu sehen sind [3]. Mit Blick auf Milliarden von EKG-­Signalen aus modernen Wearables und Smartphones, werde künftig eine aussagestarke Prädiktion schwerer kardialer Ereignisse möglich werden.

1 Kirchhof P et al., NEJM 2020; 383: 1305–1316
2 Andrade JG et al., doi.org/10.1056/NEJMoa2029980
3 Attia ZI et al., Lancet 2019; 394: 861–867

Herzinfarkte in Notaufnahmen

Die Patientenzahlen in den Notaufnahmen liegen derzeit immer noch etwa 20 % unter dem Niveau  vor der Corona-Pandemie, berichtete Prof. Dr. med. Martin Möckel (Berlin). So zeigt etwa das Berliner Herzinfarktregister eine Reduktion der Zahl der Herzinfarkte im Frühjahr 2020 gegenüber den Vorjahren. Betrachte man die Zahlen im Detail, lasse sich erkennen, dass diese Entwicklung signifikant zulasten der Nicht-ST-Hebungsinfarkte (NSTEMI) geht. Dies ist eine Entwicklung, die auch deutschland- und weltweit beobachtet worden sei. Möckel warnt jedoch: „Nur weil ein NSTEMI häufiger mit weniger schweren Symptomen einhergeht, darf nicht das Missverständnis entstehen, dass es sich dabei um ein harmloseres Krankheitsbild handle.“ Auch PD Dr. med. Sebastian Ewen (Homburg) bestätigt diese Beobachtung: „Die Zahlen lassen uns vermuten, dass Patienten mit geringen Symptomen nicht zum Arzt gegangen sind, sondern ihre Beschwerden viel mehr mit sich selbst zu Hause ausgemacht­
haben.“ Dies wiederum habe zur Folge gehabt, dass die Out-Of-Hospital-Mortalität im vergangenen Jahr deutlich angestiegen sei. Nach einer Untersuchung aus Hessen lag die kardiale Sterblichkeit im Beobachtungszeitraum in 2020 um 11,8 % signifikant höher als im selben Zeitraum des Vorjahres.

SGLT2-Hemmer bei Herzinsuffizienz  

Highlights bei der Herzinsuffizienz-Therapie sind die neuen Studien zu SGLT2-Hemmern DAPA-HF (Wirkstoff Dapagliflozin, in der EU zugelassen) und EMPEROR-Reduced (Wirkstoff Empagliflozin), so Prof. Dr. med. Michael Böhm (Homburg/Saar). Beide Studien zeigen den Vorteil dieser Therapien hinsichtlich der Rate kardiovaskulärer Todesfälle und Hospitalisierungen aufgrund von Verschlechterungen der Herzinsuffizienz, so Böhm. Obwohl die Medikamente eigentlich als Antidiabetika entwickelt wurden, sei dieser Vorteil bei an Diabetes erkrankten Personen mit Herzinsuffizienz und nicht diabeteskranken Herzinsuffizienz-Patienten gleichermaßen zu beobachten. Diese Medikamente hätten sich sehr rasch von Antidiabetika zu wirksamen Herzinsuffizienz-Therapeutika entwickelt.

Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.

Das könnte Sie auch interessieren

No items found.