Pharmakologische Konzepte sind integraler Bestandteil einer Schmerzbehandlung. Dabei richtet sich die Auswahl des Wirkstoffs in erster Linie nach der Art der Schmerzen und weiteren Patientencharakteristika. Doch auch auf die Galenik kommt es an: Für eine Dauertherapie hat eine retardierte Freisetzung viele Vorteile.
An der Entstehung chronischer Schmerzen sind viele Effektorsysteme beteiligt, die sich therapeutisch beeinflussen lassen. Um eine geeignete Behandlung auszuwählen, sollte zunächst klar sein, ob es sich um nozizeptive, neuropathische oder noziplastische Schmerzen handelt, erklärte Dr. med. Thomas Reiter (Feldafing). Oftmals liege auch ein „Mixed Pain“ vor. Bei neuropathischen Schmerzen etwa sollen gemäß Leitlinie in der Erstlinie Antikonvulsiva oder Antidepressiva, in der Zweitlinie topische Therapien und bei nicht ausreichender Wirksamkeit Opioide eingesetzt werden.
Anhand der Leitlinie zu Langzeitanwendungen von Opioiden bei chronischen nicht tumorbedingen Schmerzen (LONTS) erläuterte Reiter das Prinzip der Schmerztherapie: Liegt ein relevanter Schmerz und/oder eine Funktionseinschränkung vor, besteht eine Indikation zur Schmerztherapie. Wichtig sei es, mit den Betroffenen realistische Ziele zu vereinbaren. Zudem sei eine Schmerztherapie immer multimodal und sollte neben der Pharmakotherapie auch Edukation, Bewegung und eine psychologische Komponente umfassen. Grundsätzlich gelte das Prinzip „Start low, go slow“. Essenziell sei außerdem die regelmäßige Evaluation und ggf. Anpassung der Therapie.
Praxistaugliche Therapie
Der neuropathische Schmerz umfasst laut Dr. med. Hanno Jaeger (Hamburg) periphere sowie zentrale Neuropathien. Als realistisches Therapieziel solle gemäß Leitlinie eine Schmerzreduktion von mindestens 30 % angestrebt werden. Innerhalb der Antikonvulsiva sprach sich Jaeger für Pregabalin aus, da es bei peripheren und zentralen Neuropathien wirksam sei. Darüber hinaus würde die im Vergleich zu Gabapentin einfachere Anwendung durch die 24-Stunden-Retardformulierung erleichtert. Die spezielle Galenik führe zu einer verlängerten Verweildauer im Magen und damit zu einer verzögerten Wirkstoffaufnahme im Dünndarm. Die Einnahme solle nach dem Essen erfolgen – idealerweise am Abend, da das Präparat einen positiven Einfluss auf den Schlaf haben könne. Zudem ist die einmal tägliche Einnahme insbesondere bei häufig vorliegender Polypharmazie von Vorteil.
Auch ermöglichten Retardformulierungen gleichmäßigere Wirkstoffspiegel und somit eine stabilere Analgesie. Reichen Nicht-Opioid-Analgetika nicht aus, seien Opioide eine leitliniengerechte Option, so Jaeger. Auch hier sei die Galenik zu beachten: „Schnellfreisetzende Opioide sind für eine Dauertherapie ungeeignet.“ Die Zukunft der Schmerztherapie liege in der individualisierten, mechanismenbasierten und multimodalen Therapie.
Symposium „Neue Wege in der Schmerztherapie: Bewährtes differenziert anwenden, Innovationen gezielt nutzen“ (Veranstalter: Aristo Pharma GmbH)