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Kongress-Ticker

Obstipation bei Behandlung mit Opioiden?

PAMORA entlasten

Dr. rer. nat. Anne Benckendorff

15.5.2026

Chronische Schmerzpatienten und -patientinnen setzen die Schmerztherapie häufiger aufgrund von Nebenwirkungen als wegen unzureichender Wirksamkeit ab. Bei Opioiden sei hier vor allem die Opioid-­induzierte Obstipation relevant, sagte Dr. med. Ulf Schutter (Marl). Als häufigste Opioid-Nebenwirkung betreffe sie Metaanalysen zufolge 41 % der behandelten Personen.

In einer Umfrage bei 322 Patientinnen und Patienten mit Schmerzen aufgrund von Malignomen oder nicht onkologischen Krankheiten, die mit Langzeit-Opioiden und Abführmitteln behandelt wurden, gaben sogar 81 % eine Obstipation an. Insgesamt 58 % mussten beim Stuhlgang den Druck erhöhen, 50 % hatten harten Stuhl, und 45 % der Betroffenen eine unvollständige Entleerung.

Obwohl Patienten und Patientinnen zwar erheblich unter diesen Problemen leiden, sprechen sie diese meist nicht von sich aus an. Daher appellierte Schutter, unbedingt aktiv danach zu fragen – zumal hier, anders als bei anderen Nebenwirkungen, keine Habituation einträte. Der Grund für die Obstipation: Weil µ-Opioid-Rezeptoren auch im gesamten Verdauungstrakt vorkommen, stören die Opioide dort vor allem die propulsive Peristaltik. Darüber hinaus führt die Aktivierung der Rezeptoren im Ösophagus zu einer Sphinkter-Dysfunktion, im Magen zu einer verminderten Mobilität, im Dickdarm zu einer erhöhten Flüssigkeitsabsorption und verringerten intestinalen Sekretion sowie im Anus ebenfalls zu einer Sphinkter-Dysfunktion.

Laxanzien oft nicht ausreichend

Leitliniengerecht sollten bei opioidinduzierter Obstipation als erste Maßnahme Laxanzien verordnet werden, riet Schutter. Doch ihre Einnahme wird von den Betroffenen nicht nur als unangenehm empfunden, sondern mehr als zwei Drittel geben zudem an, dass sie keinen bzw. nur einen geringen Nutzen verspüren. Schutter empfahl daher die frühzeitige Verordnung peripher wirkender µ-Opioid-Rezeptorantagonisten (PAMORA). Sie besetzen die Bindestellen der µ-Opioid-Rezeptoren im Verdauungstrakt und verhindern so die Bindung der Opioide, ohne die gewünschte Wirkung auf das zentrale Nervensystem zu beeinträchtigen. In Deutschland sind in Tablettenform Naldemedin und Naloxegol verfügbar sowie Methylnaltrexon zur parenteralen Gabe. Schutter betonte, dass eine Schmerztherapie für Behandelte wie Behandelnde schwierig und aufwendig sein könne, aber unverzichtbar sei.

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