- Anzeige -
Kongress-Ticker

Lutealphasen-Update 2025

Aktueller Stellenwert des vaginalen Progesterons

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

13.2.2026

Progesteron ist das essenzielle Hormon zur Aufrechterhaltung einer frühen Schwangerschaft und spielt eine zentrale Rolle in der Reproduktionsmedizin. Eine aktuelle Kohortenstudie aus dem CARE-Fertility-Netzwerk verglich zwei Formen von vaginal appliziertem, mikronisiertem natürlichem Progesteron.

Die Lutealphasenunterstützung stellt einen zentralen Baustein der assistierten Reproduktion dar. Pathophysiologisch ist sie notwendig, da ovarielle Stimulationsprotokolle zu einer funktionellen Lutealphasen­insuffizienz führen können. Progesteron ist das essenzielle Hormon zur sekretorischen Transformation des Endometriums, zur Förderung der Implantationsbereitschaft sowie zur Aufrechterhaltung der frühen Schwangerschaft.

Einen wichtigen Beitrag liefert eine 2025 publizierte multizentrische retrospektive Kohortenstudie aus dem CARE-Fertility-Netzwerk (UK), in der 2 Formen von vaginal appliziertem, mikronisiertem natürlichem Progesteron direkt verglichen wurden: Utrogestan® (Ölkapsel auf Sonnenblumenölbasis) und Cyclogest® (Vaginalsuppositorium auf hydriertem Fettträger). Dr. med. Sören von Otte (Kiel) stellte Real-World-Daten aus dem Zeitraum 2017–2022 mit insgesamt 46 774 geeigneten Behandlungszyklen bei über 29 000 Frauen aus 14 Zentren vor. Eingeschlossen waren IVF-/ICSI- sowie Kryo-Embryotransfer-Zyklen mit exklusiver lutealer Unterstützung durch eines der beiden Präparate.

Primärer Endpunkt war die Lebendgeburtenrate (Live Birth Rate, LBR), sekundäre Endpunkte umfassten biochemische und klinische Schwangerschaftsraten sowie Fehlgeburten. In den univariaten Analysen zeigten sich für Utrogestan® signifikant höhere Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten sowohl in Frisch- als auch in Kryozyklen. In IVF-/ICSI-Zyklen lag die LBR bei 35,5 % vs. 29,3 % unter Cyclogest®, in Kryozyklen zeigte sich ein vergleichbarer Vorteil. Multivariate logistische Regressionsanalysen, adjustiert für 12 relevante Kovariablen (u. a. Alter, BMI, AMH, Anzahl der transferierten Embryonen und vorherige ART-Zyklen), bestätigten diesen Effekt mit adjustierten Odds Ratios zugunsten von Utrogestan®. Bemerkenswert ist die Konsistenz der Ergebnisse über verschiedene Alters-, BMI- und Behandlungsgruppen hinweg. Altersspezifische Analysen zeigten parallel verlaufende, aber durchgehend höhere prädizierte Lebendgeburtenraten unter Utrogestan®. Auch eine geringere Gesamtfehlgeburtenrate wurde beobachtet.

Diskutiert werden pharmakokinetische und gewebespezifische Mechanismen, insbesondere Unterschiede im Trägermedium. Das ölbasierte Vehikel von Utrogestan® könnte die Penetration lipophiler Zellmembranen, den uterinen First-Pass-Effekt sowie dezidualisierende Effekte begünstigen. Serum-Progesteronspiegel gelten dabei nur als eingeschränkte Surrogatmarker, da Progesteron einer ausgeprägten pulsatilen Sekretion unterliegt und die lokale Gewebewirkung entscheidend ist. Trotz der großen Fallzahl und der hohen externen Validität als Real-World-Evidence bleibt die fehlende Randomisierung eine methodische Limitation. Residuale Confounder wie Adenomyose, Endometriose oder unvollständige Hormonmessungen konnten nicht vollständig kontrolliert werden.

Lunch-Symposium „Lutealphasen-Update 2025. Neue Daten, neue Perspektiven, bessere Ergebnisse?“ (Veranstalter: Besins Healthcare Germany GmbH)

Lesen Sie mehr und loggen Sie sich jetzt mit Ihrem DocCheck-Daten ein.
Der weitere Inhalt ist Fachkreisen vorbehalten. Bitte authentifizieren Sie sich mittels DocCheck.
- Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

123-nicht-eingeloggt