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Dermatologie

Kurioser Fall

Sprengstoffalarm durch Handpflege ausgelöst

Eine 50-jährige Flugbegleiterin mit Handekzem berichtete, dass sie während eines routinemäßigen Screenings am Flughafen positiv auf Sprengstoff getestet wurde. Grund dafür war die Glycerin-haltige Basispflege, die sie für die Behandlung ihres Handekzems verwendete.

Unter Vielfliegern oder auch Flugbegleitern sind Dermatosen weitverbreitet, denn die geringe Luftfeuchtigkeit in der Flugzeugumgebung kann zu Hautsymptomen wie Rötungen im Gesicht und trockenen, juckenden Händen führen [1,2]. Grundpfeiler der Behandlung ist eine topische Basispflege mit Glycerin-haltigen, feuchtigkeitsspendenden ­Externa. Feuchtigkeitscremes sind bei der Behandlung von trockener Haut unerlässlich und sind ebenso auch Teil der täglichen Hautpflegeroutine. Aufgrund der hydrophilen Eigenschaften ist Glycerin ein häufiges Feuchthaltemittel in Feuchtigkeitscremes und wird auch in anderen medizinischen Salben, Kosmetika und Toilettenartikeln (wie Seife und Zahnpasta) verwendet.

Glycerin löst Sprengstoffalarm aus
„Glycerin kennen wir nicht nur als Feuchthaltemittel in Pflegeprodukten, sondern auch in Form von Nitro­glycerin als Bestandteil von Sprengstoff wie Dynamit. Wenige Nanogramm schwere Partikel können durch die heute gängigen Sprengstoff-Suchtests mittels Ionen-Mobilitäts-Spektrometer nachgewiesen werden. Die ähnliche chemische Struktur kann so zu einem Fehlalarm führen“, so Dr. med. Christian Greis, ­Gründer der Online-Plattform derma2go und Oberarzt an der Klinik für Dermatologie am Universitätsspital Zürich. Allerdings drohen nicht sofort jedem solche Unannehmlichkeiten, auch wenn Glycerin-haltige Kosmetikprodukte verwendet werden. Denn falsch-positive Alarme können nur durch randomisiert durchgeführte Abstriche verursacht und mittels Ionen-Mobilitäts-Spek­trometrie (IMS) oder Massenspektrometrie (MS) analysiert werden. Körper-Scans mit Mikrowellenstrahlung erkennen kein ­Glycerin. Der Glycerin-Nachweis mittels IMS/MS ist daher als sekundäres Screening-Gerät vorgesehen und wird als Ergänzung zu und nicht als Ersatz für Millimeterwellen-Körperscanner eingesetzt. Beide Nachweisinstrumente basieren auf unterschied­lichen Technologien, um unterschiedliche Substrate zu ermitteln: explosive Partikel vs. Schmuggelware oder Waffen. Red.

Ein Fall aus der Praxis

Positiver Sprengstofftest wegen topischer Ekzembehandlung

Eine 50-jährige Flugbegleiterin stellte sich auf der Online-Plattform derma2go mit einem Handekzem vor. Dagegen bekam sie eine topische Therapie, bestehend aus Klasse-IV-Steroiden und einer Glycerin­-haltigen Feuchtigkeitscreme auf Petrolatum-Basis, verschrieben. Während der Nachuntersuchung berichtete die Patientin, einem randomisierten Sprengstofftest am Flughafen unterzogen worden zu sein. Ein Abstrich ihrer Hände und ihres Handgepäcks sei positiv auf explosives Material getestet worden. Eine weitere Inspektion der Flughafensicherheit ergab, dass der Grund für den Fehlalarm das Auftragen der Feuchtigkeitscreme unmittelbar vor dem Betreten der Sicherheitskontrolle sei. Die Patientin hatte keine anderen Substanzen aufgetragen und hatte keinen direkten Kontakt mit anderen Personen vor dem Test.

FAZIT:
Die Autoren der Fallbeschreibung [3] empfehlen, Betroffene, insbesondere Vielflieger und Mitglieder des Flugpersonals, für dieses Problem zu sensibilisieren. Zudem sollten Glycerin-haltige Produkte vor dem Betreten einer Sicherheitskontrolle vermieden werden. Falls Passagiere vor dem Betreten des Sicherheitsbereichs feststellen, dass sie ein solches Produkt aufgetragen haben, können sie für die Entfernung des Glycerins Isopropylalkohol verwenden. Mit diesen Maßnahmen können Unannehmlichkeiten und Verspätungen am Flughafen vermieden werden.

1 Lindgren T et al., Indoor Air 2005; 15: 65–72
2 Gates T, Aviat Space Environ Med 2007; 78: 29–37
3 Greis C et al., JDDG 2019; 17(3): 319–320

Bildnachweis: Turac Novruzova (iStockphoto)

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