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Gynäkologie

San Antonio Breast Cancer Summit 2020

Chemotherapie beim Hr-Positiven Mamma-CA

Dr. rer. nat. Reinhard Merz

17.2.2021

Zu den Highlights beim San Antonio Breast Cancer Summit im Dezember 2020 gehörten die Ergebnisse der Westdeutschen Studien-Gruppe WSG zur Chemotherapie beim HR-positiven Mammakarzinom.

Jährlich werden allein in Deutschland etwa 70 000 Frauen mit Brustkrebs diagnostiziert, bei rund 44 000 dieser Frauen ist der Tumor Hormonrezeptor-positiv (HR+). Nach der Operation ist daher eine Antihormontherapie obligat, ob sie zusätz­lich auch von einer Chemotherapien (CT) profitieren, war bislang nur für Patientinnen mit eindeutig ein­schätz­barem Rückfallrisiko klar: Patientinnen mit niedrigem Risiko benötigen keine, Patientinnen mit hohem Risiko benötigen eine zusätzliche Chemotherapie. Die Hälfte der Patientinnen gehört jedoch zur intermediären Risikogruppe.

Menopause-Status macht den Unterschied

Für diese Frauen zeigen die Ergebnisse der RxPONDER-Studie, die auf dem virtuellen SABCS vorgestellt wurden, neue Optionen zur Deeskalation auf [1]. Die Studie verglich die beiden Behandlungsäste CT vs. keine CT hinsichtlich des invasiven erkrankungsfreien Überlebens mit dem Score aus dem Onco­type-DX-Test. Auf Basis der Gesamtpopulation waren die Unterschiede nicht signifikant, wohl aber, wenn man nach dem Menopause-Status stratifizierte. Auf der Basis dieser Daten können postmenopausale Frauen mit einem Recurrence Score < 25 auch im Falle befallener Lymphknoten sicher ohne CT behandelt werden, während prämenopausale durchaus von einer CT profitieren. Auch die ADAPT-Studie ging einer ähnlichen Frage nach [2]. Hier wurden Frauen mit einem HR-posi­tiven/HER2-negativen Brustkrebs mit bis zu drei befallenen Lymphknoten und einem genomisch intermediären Rückfallrisiko vor der Operation einer dreiwöchigen Antihormonbehandlung unterzogen. Anhand einer Gewebeprobe wurde der Ki-67-Wert zunächst bei Diagnosestellung und nach der 3-wöchigen Antihormontherapie am OP-Präparat erneut bestimmt. Ist Ki-67 innerhalb dieser drei Wochen auf Werte unter 10 % gefallen, reicht für die betroffene Patientin nach der Operation eine reine Antihormontherapie aus. Damit lassen sich dieselben Behandlungsergebnisse erzielen, wie für Frauen aus der Niedrigrisikogruppe. Liegt der Wert oberhalb dieser Grenze, ist eine zusätzliche Chemo­therapie erforderlich.

Paclitaxel oder nab-Paclitaxel?

Benötigt die betroffene Patientin nach der Operation eine zusätzliche Chemotherapie, ist die Frage, von welcher Kombination sie am meisten profitiert. Prof. Dr. med. Sherko Kümmel (Essen) präsentierte die Ergebnisse ebenfalls beim SABCS [3]. Die Studie konnte zeigen, dass anstelle von Paclitaxel dessen proteingebundene Variante nab-Paclitaxel zum ­Einsatz kommen sollte: Der Anteil der Patientinnen, die eine pathologische Komplettremission erreichen, konnte mit einem nab-Paclitaxel-haltigen Regime von 12,9 % auf 20,8 % gesteigert werden. Frauen aus der Hochrisikogruppe (Recurrence Score > 25) profitieren besonders eindrucksvoll von der ­nab-Paclitaxel-haltigen Chemotherapie. Diese Daten stützen damit die Ergebnisse der GeparSixto-Studie [4], die ebenfalls eine Überlegenheit für nab-Paclitaxel belegen konnte. Die Anwendung von nab-Paclitaxel ist in der nicht metastasierten Situation jedoch off-label. Ein weiterer Fokus lag auf der Deeskalation der ­Therapie des HR+ Mammakarzinoms, durch die ­Hinzunahme von CDK-4/6-Inhibitoren. Die Phase-III-Studie monarchE zeigte, dass eine 2-jährige Therapie mit Abemaciclib das invasive krankheitsfreie Überleben (iDFS) im Vergleich zur Erhaltungstherapie (ET) alleine signifikant verbessern kann [5]. Die 2-Jahres-iDFS-Raten lagen bei 92,3 % im Abemaciclib+ET-Arm und bei 89,3 % im alleinigen ET-Arm.

Stellenwert der CDK-4/6-Inhibitoren

Für den CDK-4/6-Inhibitor Ribociclib wurden neue Daten aus explorativen Subgruppen-Analysen der MONALEESA-7 (ML-7) zum Langzeitüberleben bei prä-/perimenopausalen Frauen präsentiert [6]. Nach median 53,5 Monaten betrug das mediane Gesamtüberleben im Ribociclib-Arm 58,7 Monate vs. 48,0 Monate im Placebo-Arm (HR 0,76; 95%-KI 0,61–0,96). Diese Daten der MONALEESA-7-Studie untermauern den hohen Stellenwert der CDK-4/6-Inhibition in diesem Setting.

1 Kalinsky K et al., SABCS 2020, abstract GS3-00
2 Harbeck N et al., SABCS 2020, abstract GS4-04
3 Kuemmel S et al., SABCS 2020, abstract GS4-03
4 Untch M et al., Clin Oncol 2019; 37: 2226–2234
5 O‘Shaughnessy J et al., SABCS 2020, abstract GS1-01
6 Tripathy D et al., SABCS 2020, abstract PD2-04

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